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Couch Potato Portfolio
Drei Beiträge aus der Newsgroup de.etc.finanz.misc:
> Das "couch potato portfolio" (CPP) wurde in dieser NG > ja schon öfter erwähnt. > > Nun interessiert mich, welche Theorie hinter dem CPP > steht. Insbesondere, warum es vorteilhaft sein soll, > jährlich zwischen Aktien- und Rentenfonds auszugleichen, > so daß beide wieder jeweils 50% des Gesamtwerts sind. Grundidee ist, daß man einmal eine Portfoliostruktur festlegt und die dann auch beibehält. Ob jetzt 50% die richtige Zahl ist, ist eine andere Frage (wo hast Du die Zahl überhaupt her?) Prinzipiell legt man damit seine Risikoneigung fest. > Warum ist das besser, als einmal Geld auf beide > Anlageformen aufzuteilen und sich dann nie mehr > darum zu kümmern? Es würde doch dann langfristig > mehr Geld auf der Seite mit höherer Rendite entstehen, > und es wäre doch an sich gerade günstig, mehr in die > Anlageform mit höherer Rendite zu investieren. Ja, aber das Gesamtrisiko würde ständig steigen. > Daneben gibt es einige zweitrangige weitere Fragen > zum CPP: > Ist es auch mit anderen Verteilungen (z.B. > 30%/70%) sinnvoll? Sicher - das hängt ganz von Deinen persönlichen Verhältnissen und Neigungen ab. Übrigens sollte man auch nicht vergessen, sein *gesamtes* Vermögen zu betrachten. Es kann ja nicht nur um Aktienfonds und Rentenfonds gehen, sondern es sind alle Vermögenswerte wie Immobilien, Lebensversicherungen ... zu betrachten. > Ist ein an das Lebensalter adaptierter CPP-Verteilungs- > schlüssel nicht noch besser > (im Alter von n Lebensjahren, n% Rentenanteil)? Kann man auch machen. Oft genannt wird die Formel
(80 - Lebensalter) Prozent
Aber das ist natürlich auch nur eine Faustregel. Wenn der 80-jährige vom Ertrag seiner Immobilien und Schatzbriefe leben kann, kann er natürlich seine 5 Mio in Aktien ruhig behalten ;-) > Wie ist es zu beurteilen, wenn jemand die Ausgleichung > zwischen den Depothälften öfter strebst Du Intra-Day-Trading an? :-) > oder seltener als jährlich macht? auch kein Problem, solange die Balance nicht völlig aus dem Ruder läuft. Ich ziehe übrigens eine weitere Variante vor: ich entscheide zweimal im Jahr (13. und 14. Gehalt), wo ich diesen neuen Betrag anlege. Das reicht idR völlig aus, um in der Balance zu bleiben. > Wäre es eine sinnvolle Variante des CPP, nicht jährlich > umzuschichten, sondern immer dann, wenn der Unterschied > des Werts der beiden Depothälften einen bestimmten > Grenzwert erreicht (z.B. 10% vom Gesamtdepotwert)? Da bin ich skeptisch - ich will doch gerade nicht bei jedem heftigen Börsenausschlag handeln. Denk auch an die Kosten. Der Grundgedanke des CPP ja, ist daß der Anleger nicht meinen soll, sinnvoll auf die kurzfristige Entwicklung reagieren zu können. Stattdessen soll er sich eine längerfristige Strategie auswählen und die dann auch gelassen durchziehen. Über diese Illusion, die Märkte vorhersagen zu wollen, haben wir ja schon öfter diskutiert, siehe hier. Die Quintessenz aller Untersuchungen dazu ist eben, daß das CPP meist besser fährt. Eine interessante Web-Seite dazu ist Paul Merrimans Fund Advice.
> Aber bevor man diese zweitrangigen Fragen behandelt,
> wäre es doch von zentralem Interesse erst einmal
> zu verstehen, welchen Sinn der jährliche Ausgleich
> überhaupt haben soll. Mir ist dazu nur folgendes
> eingefallen: Wenn ich bei gefallenem Aktiendepotwert
> vom Rentendepot in Aktien umschichte, entspricht dies
> einem günstigen Kauf bei niedrigen Aktienkursen
> (über mehrere Jahre eine Art von cost averaging)
> und wenn ich bei stark gestiegenem Aktiendepotwert in
> die Rentenhälfte umschichte entspricht dies einer
> Gewinnmitnahme ("Sicherung" von Aktiengewinnen in
> die weniger volatilen Renten). Ist dies die Idee
> hinter dem CPP?
Wieso fragst Du überhaupt, Du hast es doch schon verstanden ;-)
Gruß,
Auf dieselbe Anfrage antwortete Ralf Giesen: > Das "couch potato portfolio" (CPP) wurde in dieser NG > ja schon öfter erwähnt. > > Nun interessiert mich, welche Theorie hinter dem CPP > steht. Insbesondere, warum es vorteilhaft sein soll, > jährlich zwischen Aktien- und Rentenfonds auszugleichen, > so daß beide wieder jeweils 50% des Gesamtwerts sind. > > Warum ist das besser, als einmal Geld auf beide > Anlageformen aufzuteilen und sich dann nie mehr > darum zu kümmern? Es würde doch dann langfristig > mehr Geld auf der Seite mit höherer Rendite entstehen, > und es wäre doch an sich gerade günstig mehr in die > Anlageform mit höherer Rendite zu investieren. Das beantwortest Du weiter unter praktisch selbst. > Daneben gibt es einige zweitrangige weitere Fragen > zum CPP: > Ist es auch mit anderen Verteilungen (z.B. > 30%/70%) sinnvoll? Klar. Es kommt auf Deine Risikobereitschaft an. 30% Aktien ist natürlich konservativer und weniger volatil als 50%. > Ist ein an das Lebensalter adaptierter CPP-Verteilungs- > schlüssel nicht noch besser > (im Alter von n Lebensjahren, n% Rentenanteil)? Geschmackssache. Diese altersabhängigen Umschichtungen sind Elemente einiger Investmentfondssparpläne, die anscheinend relativ beliebt sind und bei vielen als vernünftig angesehen werden. Es kommt auf Deine Bedürfnisse an: Wenn Du im Alter einen dicken Batzen angespart hast und Du möchtest möglichst sicher einen bestimmten Lebensstandard damit aufrechterhalten, mag die (nahezu) vollständige Umschichtung in Renten sinnvoll sein. Ist es aber Dein Ziel, weiterhin Dein ursprüngliches Konzept bzgl. Sicherheit und Risiko durchzuziehen, weil Du vielleicht auch möglichst viel Deinen Nachkommen vermachen willst, ist das auch vernünftig. > Wie ist es zu beurteilen, wenn jemand die Ausgleichung > zwischen den Depothälften öfter oder seltener als jährlich > macht? Ein wichtiges Element des CPP ist der erste Buchstabe: C wie Couch: Man möge es sich auf seiner Couch bequem machen und keine Hektik aufkommen lassen, die zweifellos aufkäme, wenn man wöchentlich umschichtete. Wegen des Cost-Average-Effektes sollte eine seltenere Umschichtung zu geringeren Renditen führen, aber bedenke: Jede Umschichtung kostet Geld (Gebühren, Ausgabeaufschlag, ...). Ich halte es ohnehin für ratsamer, möglichst durch die laufenden Einzahlungen zu steuern, was natürlich von Jahr zu Jahr schwieriger wird, da sich (hoffentlich) immer mehr Kapital ansammelt. Ich frage mich für den Fall, daß man das CPP-Konzept mit Investmentfonds mit Ausgabeaufschlag betreibt, wo eigentlich (ca.) der optimale Zeitpunkt der Umschichtung liegt. Annahme meinetwegen: AA=2% (4% und Erstattung durch Discount- Broker 50% davon), rentenseitig: 0,4% Verkaufsgebühr, 0% Ankaufs- gebühr (der Fall bei Bundesanleihen/BOBL). > Wäre es eine sinnvolle Variante des CPP, nicht jährlich > umzuschichten, sondern immer dann, wenn der Unterschied > des Werts der beiden Depothälften einen bestimmten > Grenzwert erreicht (z.B. 10% vom Gesamtdepotwert)? Finde ich auch vernünftig, habe auch schon darüber nachgedacht. Das ist vielleicht sogar besser, weil man den Cost-Average-Effekt besser hinbekommt. Es ergäbe sich auch ein gewisser dynamisierender Effekt ;-): In ruhigen Zeiten könnte ich vielleicht über 2 Jahre auf meiner Couch liegen bleiben und in wilden Zeiten vielleicht 2 Wochen. Aber: siehe Umschichtungskosten oben! Du scheinst ja sehr kreativ zu sein. Wie wäre es, eine Kombination aus Unterschiedsplanung und Zeitplanung zu erarbeiten, z. B.: bei 10 % Unterschied umschichten, aber nur dann, wenn mindestens 6 Wochen oder 3 Monate oder X Monate (auf der Couch) ausgeruht würde.
> Aber bevor man diese zweitrangigen Fragen behandelt,
> wäre es doch von zentralem Interesse erst einmal
> zu verstehen, welchen Sinn der jährliche Ausgleich
> überhaupt haben soll. Mir ist dazu nur folgendes
> eingefallen: Wenn ich bei gefallenem Aktiendepotwert
> vom Rentendepot in Aktien umschichte, entspricht dies
> einem günstigen Kauf bei niedrigen Aktienkursen
> (über mehrere Jahre eine Art von cost averaging)
> und wenn ich bei stark gestiegenem Aktiendepotwert in
> die Rentenhälfte umschichte entspricht dies einer
> Gewinnmitnahme ("Sicherung" von Aktiengewinnen in
> die weniger volatilen Renten). Ist dies die Idee
> hinter dem CPP?
Genau - das sehe ich so. Das ist auch die Antwort auf die Frage ganz oben. > Mit freundlichen Grüßen
Grüße zurück,
Und schließlich die Meinung von Emil Näpflein zur selben Anfrage: [snip - CPP info] Meine Variante dazu ist die folgende: Ich habe habe ähnlich wie bei CPP eine festgelegte Verteilung im Fondsbereich und eine Strategie wann der Ausgleich stattfindet. Allerdings teile ich wie beim CPP nicht nur in die zwei Teile Rentenindexfonds und Aktienindexfonds, sondern in eine ganze Reihe von Fonds, die in unterschiedlichen Regionen (aber auch weltweit) anlegen, auf. Das wichtigste dabei ist, daß die Verteilung fest ist. Ein Teil des monatlich verfügbaren Sparvolumens füttert über das Jahr eine Reihe von kleineren Sparplänen entsprechend der festgelegten Anteile. Entwickeln sich jetzt die Fonds sehr unterschiedlich, dann wird in die Fonds, die sich schlechter entwickelt haben als der Durchschnitt, zusätzlich einbezahlt oder wenn ich gerade nicht flüssig bin :-) eventuell eine Umschichtung vorgenommen. Durch die Mindestbeträge bei Einzahlungen und Umschichtungen müssen sich die Fonds je nach Anteil am Gesamtportfolio schon sehr stark unterschiedlich entwickelt haben, bevor eine Umschichtung vorgenommen wird. Bei Fonds, die keinen Ausgabeaufschlag haben, nehme ich dabei in der Regel die Umschichtung vor, wenn die Mindestsumme erreicht wurde. Bei Fonds mit Ausgabeaufschlag warte ich etwas länger (10-20 % mehr Unterschied). Hat man mehrere Fonds bei einer Fondsgesellschaft, so ist das relativ einfach. Umschichtungen zwischen den Fonds verschiedener Gesellschaften mache ich in der Regel nie. Der Ausgleich findet hier immer durch zusätzliche Einzahlungen statt. Das ganze habe ich in einem einfachen Lotus-Spreadsheet auf meinem HP100LX programmiert. Nach der Eingabe der aktuellen Kurse für die Fonds erhalte ich für jeden Fonds, für wieviel DM (Euro) ich Anteile kaufen/verkaufen muß, damit der Wert des Fonds wieder dem angestrebten Anteil am Gesamtwert aller Fonds entspricht. Die Kurse gebe ich ziemlich unregelmäßig ein. In Zeiten von Börsenturbulenzen manchmal täglich, sonst vielleicht wöchentlich. Für Leute, die sich wirklich in die Couch zurücklehnen wollen wie Wolfgang :-) kann das Intervall natürlich beliebig verlängert werden. Allerdings werden halt dann kurzfristige Entwicklungen, wie z.B. die Kurssprünge/-crashes um teilweise mehr als 20 % in den Emerging Markets nicht zusätzlich genutzt, um die Performance des Gesamtportfolios zu verbessern. Ich nutze solche Schwankungen der Märkte gegeneinander regelmäßig aus. Gerade in letzter Zeit gab es hier in Asien und Lateinamerika genügend Gelegenheit. Da die Gewinne in einem solchen Fonds bei Überschreitung der Mindestsumme für eine Umschichtung sofort auf andere *stabilere* Fonds verteilt werden, bleibt dabei auch regelmässig etwas über :-) Das gleiche gilt aber auch für reifere Märkte wie Europa und Nordamerika. Für mich ist diese Strategie eine ideale Kombination aus CPP und etwas Spekulation. Es folgt auch den Strategien "Buy on bad news - sell on good news." und "Buy on high - sell on low." automatisch. Also betrachtet mich, der statt auf der Couch zu sitzen, passiv in den Fernseher zu gucken und nebenbei Chips verspeist, mehr als jemanden, der zwar auch auf der Couch sitzt, aber lieber aktiv ein aufregendes Strategievideospiele auf dem Fernseher spielt und nebenbei Lachs und andere Köstlichkeiten verspeist :-) Dies macht zwar wie die Chips auch dick - schmeckt mir aber besser. ;-) Emil
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Letzte Änderung: 12.11.06 |