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Fonds in USD oder DM?

Ein Beitrag von Emil Näpflein in der Newsgroup de.etc.finanz (neu: de.etc.finanz.misc):


> > Wo liegen Vor- und Nachteile eines in DM oder in USD
> > notierten Fonds (z.B. Templeton Global Growth in USD
> > oder DM)?
>
> sofern Du nicht innerhalb der nächsten Jahre in den
> Dollar-Raum auswanderst, wirst Du in Deutschland DM
> ausgeben wollen. Damit trägst Du beim Kauf eines
> Fonds, der auf USD lautet, ein Währungsrisiko.

Es ist völlig unerheblich, in welcher Währung ein international anlegender Fonds notiert wird - man trägt immer ein Währungsrisiko. Schließlich sind die Aktien, die in einem solchen Fonds stecken, meist in Fremdwährungen notiert. Und da gerade Amerika und andere Länder, deren Währungen zum großen Teil irgendwie an den US-Dollar gekoppelt sind, einen hohen Anteil in solchen Fonds haben, spielen nicht einmal die unterschiedlichen Währungsentwicklungen zwischen US$ und DM eine grosse Rolle.

Mit einem Fonds, der in DM notiert ist, wird gerne suggeriert, daß kein Währungsrisiko vorliegt.

> In der Vergangenheit war die Performance des Templeton
> Fonds in USD für Deutsche insgesamt etwas schlechter
> als für Amerikaner, weil (über einen LANGEN Zeitraum
> betrachtet) der Dollar schwächer geworden ist.

Dies ist aber für den Vergleich Templeton Growth US$ und Templeton Global Growth DM unerheblich. Davon abgesehen, daß der DM Fonds noch nicht solange existiert wie der US$ Fonds haben sich beide Fonds in DM durchaus vergleichbar entwickelt.

> (Hypothetisches) Beispiel:
>
> Du kaufst am 1.9.1987 für 10.000 DM Anteile am
> Templeton Growth Fund. Bei einem Dollar-Kurs
> von 2 DM / USD erhälst Du Anteile im Wert von
> 5000 USD (den Ausgabeaufschlag vernachlässigen
> wir mal...)
>
> Der Fonds zeigt eine Performance von 15% jährlich
> aus USD-Sicht. Am 1.9.1997 verkaufst Du Deine
> Anteile, die nun 20.227,79 USD wert sind.
>
> Angenommen, Du bist nicht ausgewandert - s.o. -
> hättest Du jetzt gerne DM. Der Kurs sei auf
> 1,80 DM / USD gesunken. Du erhälst also
> 20.227,79 USD * 1,80 DM / USD = 36.410,02 DM.
> Die Rendite aus deutscher Sicht beträgt 13,79%
> ((die 10. Wurzel aus (36.410,02 / 10.000)) - 1).

Das gleiche Risiko hätte auch der in DM notierte Fonds durch einen geringeren Kursanstieg gehabt. Schließlich sind alle Werte, die im Fonds stecken, in Fremdwährungen. Ob jetzt die Fondsgesellschaft die ganzen Fremdwährungen in US$ konvertiert und Du in DM, oder ob die Fondsgesellschaft die ganzen Fremdwährungen direkt in DM konvertiert ist völlig unerheblich. Du unterliegst also einem völligen Trugschluß, wenn Du das Währungsrisiko dadurch vermeiden willst, indem Du Fonds aussuchst, die in DM notiert sind.

Wenn Du tatsächlich das Fremdwährungsrisiko vermeiden oder reduzieren willst, dann mußt Du in Fonds investieren, die ausschließlich deutsche Werte enthalten, oder eventuell, wegen der einigermaßen konstanten Währungsrelation innerhalb der EU, in Fonds mit europäischen Werten.

Aber selbst dann hast Du ein indirektes Währungsrisiko, wenn in den Fonds Werte enthalten sind, die in den Dollarraum exportieren. Fällt nämlich der Dollar, so fallen auch die Kurse dieser Exportwerte. Man könnte also eine Rangfolge mit dem Währungsrisiko aufstellen. Hier sind aber die Anlagemärkte der bestimmende Faktor und nicht die Fondswährung.

Es ist also alles nicht so einfach wie man denkt.

> Dieses Währungsrisiko birgt selbstverständlich nicht
> nur die aufgezeigte Gefahr einer geringeren Rendite.
> Bei einem steigenden USD liegt die Rendite aus
> deutscher Sicht oberhalb der amerikanischen.
> Setzt Du auf ein Eintreten der WWU und einen schwachen
> EURO, ist ein Engagement im USD allgemein und damit
> auch im Templeton Growth Fund auf USD-Basis genau das
> Richtige.

Jeder Fonds der hauptsächlich ausserhalb der EU investiert wäre geeignet, unabhängig von der Fondswährung.



> Ein Unterschied zwischen DM-Fonds und Dollar-Fonds ist
> aber doch der, daß wenn ich alle Dollar-Anteile an
> einem Tag verkaufe, ich nur zu einem Wechselkurs
> verkaufe.

Richtig.

> Bei einem DM-Fonds, der in Dollartitel investiert,
> muß man aber ständig über die Jahre die Wertzuwächse
> in DM zurückwechseln, so daß das Kursrisiko für die
> Kursgewinne auf die Jahre verteilt wird, oder sehe
> ich das falsch.

Das siehst Du falsch! Die Fondsgesellschaft rechnet den Wert der Aktien in Fremdwährungen täglich in die Fondswährung um. Es ist völlig egal, ob die Fondswährung DM, $, Lire oder sonstwas ist.

> Auch kann ich die Währungsschwankungen als zusätzliches
> Spekulationsobjekt benutzen. Denn nicht immer bewegen
> sich Dollar und die Weltbörsen im Gleichschritt
> (besonders bei hausgemachten Problemen wie in
> Deutschland).

Dafür ist die Fondswährung völlig egal. Entscheidend ist, aus welchen Märkten die Aktien stammen. Dies war der Kernpunkt der Diskussion.

Du hast es immer noch nicht ganz verstanden. Der einzige Unterschied, der zwischen beiden Fonds besteht, ist der, daß beim DM-Fonds die Fondsgesellschaft die Aktienkurse schon zum entsprechenden Devisenkurs des Tages in DM umgerechnet hat und beim Dollar-Fonds das erst beim Verkauf geschieht. Das Ergebnis ist, sobald der gleiche Devisenkurs des Tages zur Anwendung kommt, nahezu gleich.

Nochmals ein einfaches Beispiel:
Es existieren zwei in USA anlegende Fonds. Beide haben vollkommen in die gleichen Aktien investiert, die Fondswährung ist aber einmal DM und einmal Dollar. Nehmen wir weiter an, daß die Aktienkurse an einem Tag völlig gleich bleiben, nur die Relation zwischen Dollar und DM ändert sich.

Alle Aktien, die aus dem Dollarraum kommen, ändern sich deshalb im Wert. Beim Dollar-Fonds ändert sich der Anteilswert in Dollar nicht, beim DM Fonds in DM betrachtet schon. Rechnet man jedoch den Anteilswert des Dollar-Fonds zum gleichen Devisenkurs des entsprechenden Tages in DM um, erhält man absolut gleiche Anteilswerte in DM für beide Fonds.

Es geht sogar soweit, daß der DM-Fonds seine amerikanischen Aktien an deutschen Börsen notierte Titel in DM kaufen könnte. Durch entsprechende Arbitragegeschäfte am Markt wird die Relation der Kurse in der Wage gehalten. Es werden nur minimale Unterschiede vorhanden sein, denn jemand der einen solchen Unterschied sieht, würde sofort in D die Aktien kaufen und in USA verkaufen oder umgekehrt und damit ein Geschäft machen.

Dies ist natürlich stark vereinfacht. Internationale Fonds enthalten Aktien in vielen verschiedenen Währungen und die Relation zu den anderen Währungen kann sich natürlich aus der Sicht von Dollar und DM gesehen unterschiedlich entwickeln.

Die Kernaussage bleibt also bestehen:
Ein Fonds mit ausländischen Werten und DM als Fondswährung ist nicht frei von Währungsrisiken!

Ich habe auch noch nie eine Werbung für DM-Fonds gesehen, die explizit erwähnt, daß das Währungsrisko geringer, gleich oder höher wäre als bei einem Fonds der in einer Fremdwährung notiert. Das wäre doch unter Umständen ein schönes Werbeargument. Der Effekt wird rein durch eine versteckte Suggestion über die DM als Fondswährung erzeugt.


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Letzte Änderung: 12.11.06