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Aktienfonds zur Altersvorsorge?

Zwei Beiträge von Emil Näpflein in der Newsgroup de.etc.finanz (neu: de.etc.finanz.misc):


> > Pikanterweise werfen (bei langfristigen Anlagen) Aktien
> > eine deutlich bessere Rendite als KLVs ab.
> >
> Zwei Fragen:
>
> 1. Was heißt in diesem Zusammenhang langfristig?

Langfristig heißt, mindestens 10 bis 15 Jahre. Da man mit der Altersversorgung sowieso schon sehr früh anfangen sollte (Zinses-Zins-Effekt), dürfte sich der Zeitraum für das Ansparen eher bei 30-40 Jahren bewegen.

> 2. Wie kann ich verhindern, daß meine Aktien genau in dem
> Zeitpunkt in dem ich sie brauche, aufgrund eines Crashs
> gerade 30% Kursverlust erlitten haben? Dann muß ich diese
> Verluste realisieren, weil ich das Geld brauche.
> Damit wäre doch die ganze schöne Performance der Aktien
> im Vergleich zur KLV dahin?

Bei den langen Zeiträumen spielen die Crashes nur noch eine untergeordnete Rolle. Wenn man 30 Jahre lang 100 DM im Monat in einen Aktienfond einbezahlt und dieser eine durchschnittliche Rendite von 9% erzielt hat, ergibt das eine Endsumme von 183 TDM. Bei einer KLV mit einer Durchschnittsrendite von 7% sind das dagegen nur 122 TDM.

Selbst wenn der Aktienfond am letzten Anlagetag noch 30% Verlust einfährt, ist das Ergebnis immer noch besser als bei der KLV. Der Unterschied wird bei längeren Laufzeiten noch größer.

Desweiteren gibt es eine ganze Reihe Fonds, die in der Vergangenheit über 10% Rendite erzielt haben. Und es gibt eine ganze Menge KLVs, die weniger als 6% Rendite erzielten. Man sieht also, je länger man spart, desto mehr profitiert man vom Zinses-Zins-Effekt.

Oft werden schon von unter 20-jährigen KLVs aufgrund der Beratung durch den bekannten Versicherungsvertreter zum Ansparen von Geld bis zum 65. Lebensjahr abgeschlossen. Würden diese einen Aktiensparplan abschließen, hätten sie die Chance, über diesen langen Zeitraum eine wirklich ansehnliche Summe für die Altersversorgung anzusparen.

Ein weiteres Gegenargument ist natürlich auch, daß man den Verlust in diesem Moment auch nicht realisieren muß. Schließlich will man noch einige Zeit vom angesparten Kapital leben. D.h., man muß den Verlust höchstens für einen Teil realisieren.

Die wichtigste Maßnahme, um das Risiko, in eine solche Situation zu kommen, zu reduzieren, ist das Umschichten in weniger volatile Anlageformen spätestens in den letzten 10 Jahren der Sparphase. Hier bieten sich Mischfonds, reine Rentenfonds, Immobilienfonds und auch Bundesschatzbriefe an.

Insbesondere bieten sich auch Aktienfonds an, die in dividendenstarken Titeln investiert haben. Diese gewähren durch ihre hohen Ausschüttungen (Dividenden und Zinsen) ein hohes Einkommen nahezu unabhängig vom aktuellen Kurs. Ein geringer Aktienanteil von 20-30% bietet auch weiterhin noch die Chance auf eine höhere Rendite für die Zukunft. Einige Investmentgesellschaften wie DWS bieten für diesen Zweck auch komplette Produkte an, bei denen das automatisch gemacht wird.

Es gibt sogar Untersuchungen für den amerikanischen Aktienmarkt, daß selbst bei 100% Aktienanteil das Kapital erhalten wurde, wenn man sich eine jahrliche Auszahlung von höchstens 5% geleistet hat, selbst wenn sofort am Anfang der Börsencrash von 1973 und die lange Baisse in den 70er Jahren war.

Fazit: Bei langfristigem Sparen für die Altersversorgung über mehr als 30 Jahre und Umstieg in weniger volatile Fonds oder andere Wertpapiere läßt sich das Risiko, schlechter als eine KLV abzuschließen, deutlich reduzieren.

Emil



> > ... im Internet umgeschaut. Danach schneiden Fonds von
> > DWS, FT und Templeton am Besten ab. Die Frage ist nur:
> > National oder international?
> > Gewiß legen internationale Fonds wie der Templeton
> > Growth oder der DWS-Akkumula breit gestreut an. Nur
> > hab' ich da das Kurswechsel-Risiko. Das Gegenteil gilt
> > für nationale Fonds wie den DWS-Investa.
> > Aber was ist nun besser?
> > Oder ist das wirklich eine reine Glaubensfrage?

Nein, man sollte meiner Meinung nach international investiert sein mit einem Schwerpunkt in Heimatmärkte. Da ich mit der Einführung des Euro rechne, zähle ich auch europäische Märkte mit dazu.

Warum nimmst Du nicht zwei Top-Fonds von verschiedenen Fondsgesellschaften, die international und zwei, die in Deutschland und Europa investieren (50/50).

Das Kursrisko hast Du zum Teil auch in deutschen Exportwerten. Dies kann also kein alleiniges Argument für nationale Fonds sein. Es geht auch um den Zusammenhang von Risiken und Chancen. Es ist nunmal so, daß ein Teil der Auslandsmärkte wegen der wirtschaftlichen Entwicklung mehr Chancen bietet als der deutsche Markt. Bei langfristiger Anlage kann man solche Chancen ohne eine deutliche Erhöhung des Risikos nutzen. Untersuchungen haben sogar gezeigt, daß eine Mischung zwischen internationalen und nationalen Anlageformen das Risiko reduziert!

> Vergangenheit ist immer nur ein begrenzter Vergleichs-
> maßstab. Ein guter Berater muß her. Denn auch die
> Renditestatistiken sagen immer nur Stichtagsbezogen
> etwas aus.

Auch ein Berater kann nur über die Zukunft spekulieren.

> Wenn hier ein Berater gut ist (nicht unfehlbar, den
> gibt es nicht) kann er eine ganz andere Performance
> rausholen (umschichten) als bei einer seelenlosen
> Daueranlage in einen Fonds.

Dies ist der klassische Konflikt zwischen einer Buy-and-Hold Strategie und dem Market-Timing. Ich empfehle hierzu die Lektüre der Artikel unter www.paulmerriman.com (Buy-and-Hold Strategy) und www.scottburns.com (Couch Potato Portfolio).

Das Problem ist einfach, daß rund 80 % der Berater in einem Jahr schlechter als der Markt sind und nur 20 % besser. Über mehrere Jahre hinweg gibt es nur sehr wenige Leute, die immer besser als der Markt sind. Warum soll man dann für so eine Dienstleistung Geld bezahlen?

Es gibt weitere Untersuchungen, daß, wenn man immer in den im letzten Jahr besten Fond investiert hätte, man schlechter als der Durchschnitt ist.

Market-Timing klingt auf den ersten Blick sehr plausibel, doch ist es in den seltensten Fällen erfolgreich.

Ich selbst habe auch seit rund 1.5 Jahren ein kleines Depot bei einer Fondsvermögensverwaltung und obwohl die Verwaltung ansich nicht schlecht ist und ab und zu schon in Vergleichtests Spitzenergebnisse geliefert hat, kann es weder nach noch vor den zusätzlichen Verwaltungskosten mit meinem (fast) Buy-and-Hold Portfolio konkurrieren. Dies mag zwar jetzt ein Einzelfall und Glück sein, aber es zeigt doch, daß eine Fondsvermögensverwaltung auch keine Wunder produzieren kann.

> Aber für eine so langfristige Anlagehorizonte sind
> eigentlich egal wie immer mehr als 10% zu erwarten.
> Nur könnten es ja auch mehr sein, und da gibt es
> keine Hilfe.

Es könnte immer mehr sein - wenn man weiß, wie die Zukunft ist. Da diese niemand vorhersagen kann, auch der Berater nicht, sind solche Aussagen absolut wertlos.

Hier empfehle ich wirklich den Artikel über das Couch-Potato-Portfolio zu lesen. Mir scheint es für den durchschnittlichen Anleger auch wichtiger, ein durchschnittliches Ergebnis zu erzielen als einer Hoffnung, die nur in weniger als 20% der Fälle zutrifft, unter hohem Risiko nachzurennen.

> > Und wie sieht es bei Einmalanlagen aus? Sind für etwas
> > kurzfristigere Anlagen (3-5 Jahre) Trading-Fonds zu
> > empfehlen?
>
> Bis 3 Jahre i.d.R. Trading, dann kippt es zu ausgabe-
> behafteten Fonds

Kann man so nicht pauschal sagen. Ich empfehle Trading eher, wenn jemand wirklich mehrmals pro Jahr zwischen Fonds wechseln will.

Wenn eine Buy-and-Hold Strategie verfolgt wird, ist eher der langfristige Erfolg des Fonds entscheidend. Wenn ein Trading-Fond ständig bessere Ergebnisse als einer mit Ausgabeaufschlag erzielt, dann wird man für die langfristige Anlage auch den Trading-Fonds empfehlen.

Man beachte, daß in den Übersichten die Rendite von Trading-Fonds immer die Vertriebsgebühren mit enthält, während die Ausgabeaufschläge nicht berücksichtigt sind. Dies bevorzugt die Fonds mit Ausgabeaufschlag. Wenn ein Trading-Fond und ein anderer Fond genau die gleiche Rendite erzielt haben, dann ist der Trading-Fond immer besser.

> > Oder doch lieber einen Ausgabeaufschlag
> > bezahlen und dafür mehr Rendite einstreichen?
> >
> > Und wo kann man Fonds(-Sparpläne) günstig erwerben? Gibt es
> > da wirklich *unabhängige* Berater?
>
> Glaube ich nicht.

Das Thema hatten wir ja schon bei den KLVs. :) Natürlich wird ein Berater die Fonds empfehlen, mit denen er vertraut ist und natürlich auch Geld verdient.

Fonds und Sparpläne kann man über Fonds-Discounter günstig erwerben. Ein Rabatt von 60% ist bei den meisten Fonds drin. Allerdings kann man auch keine Beratung erwarten. Ich empfehle jedem, sich selbst soweit zu informieren wie es irgendwie geht und vor allem nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Manche glauben, sie müssen alles in Märkte stecken, die mehr als 50% im letzten Jahr erzielt haben. Sie werden dann sehr enttäuscht sein, wenn im nächsten Jahr dann 50% Verlust gemacht wird. Der wichtigste Punkt ist, sich eine vernünftige Verteilung des Portfolios aufzubauen.

In der Regel kann man bei langfristigem Anlagehorizont (mehr als 10 Jahre) mit einem weltweit anlegendem Fonds wenig falsch machen. Da diese Fonds aber meist ihren Schwerpunkt in Auslandsmärkten haben, kann man zusätzlich noch ein oder zwei deutsche und europäische Fonds hinzunehmen. Dies legt dann den Schwerpunkt mehr in die "heimischen" Märkte mit entsprechend weniger Währungseinflüssen.

Die einzelnen Emerging-Markets kommen höchstens als Beimischung in Frage, die man auch sehr genau beobachten sollte (< 5% pro Einzelmarkt). Wer z.B. in einigen asiatischen Märkten investiert war, konnte dieses Jahr eine Menge Geld verlieren. Allerdings gibt es jetzt auch wieder Möglichkeiten, günstig einzukaufen. :) Ich würde nur bei sehr sehr langfristiger Anlage (> 15 - 20 Jahre) insgesamt mehr als 20-30% in diese Märkte stecken.

Übrigens man kann das Risiko durch einen einzelnen Fonds in einem Markt auch dadurch etwas reduzieren, indem man mindestens zwei Fonds von zwei verschiedenen Fondsgesellschaften hat. Ein "Fehlgriff" tut dann nicht ganz so weh.

Man sieht also: die wichtigste Grundlage eines Fondsportfolios ist eine vernünftige Diversifikation. Mit 3-5 Fonds weltweit und in Heimatmärkten investiert, kann eigentlich *fast* nichts schiefgehen.

Dies ist nur meine persönliche Meinung, es sollte jeder selbst nach seiner Risikobereitschaft entscheiden. Allerdings muß er dazu schon die Risiken kennen und nicht nur der Berater.

Emil


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Letzte Änderung: 12.11.06