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Tips zu Bauträger- und Erwerbermodellen
Die Zeitschrift
FINANZtest beschäftigt sich in Heft 7/98
unter dem Titel "Überfinanzierte Eigentumswohnungen:
Neue Hoffnung für die Rückabwicklung der Verträge - Investition
in viel Luft" mit den meist überteuerten und überfinanzierten Bauträger-
und Erwerbermodellen.
Der sehr lesenswerte Artikel beschäftigt sich auch mit der in
letzter Zeit festzustellenden Tendenz, daß Gerichte diese Modelle
zunehmend sehr kritisch betrachten und prüfen, ob ein Beteiligter
für die Verluste des Anlegers verantwortlich ist. Haften müssen
dann Vermittler, Verkäufer, Bauträger, Treuhänder oder Bank.
Einige Tips aus diesem Artikel:
- Zeichnen Sie keine Bauträger- und Erwerbermodelle, die hohe
Zusatzkosten enthalten und auf jeglichen Eigenkapitaleinsatz
verzichten. Überteuerung und Überfinanzierung führen schnell
zum finanziellen Ruin.
- Gehen Sie den Vermittlersprüchen von der sich selbsttragenden
Immobilie und den angeblichen Verkaufsgewinnen auf den Grund,
indem Sie sich Langfristrechnungen über eine
Vermietungsphase von mehr als zehn Jahren und Prognosen über
den künftigen Veräußerungserlös der Immobilie zeigen lassen.
- Wenn Sie bereits auf ein überteuertes und überfinanziertes
Bauträger- oder Erwerbermodell hereingefallen sind, sollten
Sie einen auf Haftungsrecht bei Bauträger- oder Erwerbermodellen
spezialisierten Rechtsanwalt einschalten. Sofern Sie über eine
Rechtsschutzversicherung verfügen, sollte der Anwalt umgehend
versuchen, eine Deckungszusage Ihres Versicherers zu erhalten.
- Meiden Sie selbsternannte Helfer, die weder Rechtsanwälte sind
noch einer seriösen Selbsthilfegruppe für Geschädigte angehören.
- Sammeln Sie alle schriftlichen Unterlagen, und protokollieren
Sie das entscheidende Verkaufsgespräch so gut wie möglich aus
Ihrem Gedächtnis.
Befragen Sie alle, die bei dem Verkaufsgespräch anwesend waren,
und benennen Sie diese Gesprächspartner mit ihrem Einverständnis
später als Zeugen vor Gericht.
- Nehmen Sie Kontakt mit Selbsthilfegruppen von geschädigten
Wohnungskäufern auf: Hilfe bieten zum Beispiel die
Aktion Solidarität e.V. oder
Schutzverband für Opfer fehlfinanzierter
Immobilien in Herne.
- Vergleichsverhandlungen mit der Gegenseite sind oft sinnvoll.
Falls die Erfolgsaussichten für eine vollständige Rückabwicklung
der Kauf- und Darlehensverträge aufgrund der bisher gefällten
höchstrichterlichen Urteile aber sehr groß sind, sollten Sie
hartnäckig bleiben und die Klage durchziehen.
Dies gilt vor allem, wenn Ihre Rechtsschutzversicherung eine
Deckungszusage erteilt hat.
Und dies sind vier Fallen, in die Sie nicht laufen sollten:
- 1. Falle: Bequemlichkeit
Vermittler-Spruch: Sie brauchen sich um nichts zu
kümmern, der Treuhänder erledigt alles.
Wirklichkeit: Der angebliche Service in Form eines
"Treuhandgeschäfts- besorgungsvertrags" kostet den Anleger viel Geld.
Er treibt die Zusatzkosten in die Höhe und führt zur Überteuerung
der erworbenen Immobilie.
- 2. Falle: Null Mark Eigenkapital
Vermittler-Spruch: Sie brauchen keinen Pfennig
dazuzuzahlen ("Fielmann-Prinzip"), die Bank hat alles vorgeprüft
und finanziert den gesamten Aufwand.
Wirklichkeit: Nicht nur der Kaufpreis, sondern der
völlig überhöhte Gesamtaufwand einschließlich Disagio werden auf
Kredit finanziert. Dies zieht eine drastische und höchst riskante
Überfinanzierung der erworbenen Eigentumswohnung nach sich.
- 3. Falle: Selbsttragende Immobilie
Vermittler-Spruch: Mieteinnahmen und Steuerersparnisse
reichen aus, um alle laufenden Kosten zu decken. Die Immobilie trägt
sich von selbst ("Selbstläufer").
Wirklichkeit: Tatsächlich liegen erhebliche
Unterdeckungen vor und nach Steuern vor. Diese vergrößern
sich noch, wenn überhöhte Mietgarantien platzen oder nach zumeist
fünf Jahren auslaufen.
- 4. Falle: Verkauf mit hohem Gewinn
Vermittler-Spruch: Nach fünf Jahren können Sie
Ihre Immobilie mit hohem Gewinn verkaufen und den Gewinn steuerfrei
einstecken.
Wirklichkeit: Infolge des völlig überhöhten
Gesamtaufwands beim Kauf der vermieteten Eigentumswohnung entstehen
deutliche Veräußerungsverluste, wenn das Objekt vor Ablauf von zehn
Jahren verkauft wird.
Nach meinen Erfahrungen kann man davon ausgehen, daß solche unter der
Steuersparflagge angebotenen Modelle mindestens um 30-40%
überteuert sind. Damit gibt es praktisch keine Chance,
daß sich eine solche Investition jemals rechnet.
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Letzte Änderung: 12.11.06
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