Bitte beachten: diese Seite gibt den Stand von ca. 1999 wieder
und wird nicht mehr aktualisiert!
Die Kapital-Lebensversicherung
Die Kapital-Lebensversicherung (KLV) ist eine sehr umstrittene Geldanlage: auf der einen Seite hat sie fast jeder Haushalt, auf der anderen Seite wird sie, vor allem von Verbraucherschützern, heftig kritisiert. Beginnen wir mit einer Tabelle ihrer Vor- und Nachteile:
Daß die KLV ein problematisches Produkt ist, sieht man schon an folgenden Zahlen:
Daß die KLV von Verkäufern so gepusht wird, versteht man, wenn man einen Blick auf die Vermittler-Provisionen wirft.
Rendite einer KLVEntschließt man sich dennoch für eine Kapital-Lebensversicherung, so ist es sehr wichtig, eine 'gute' Gesellschaft zu wählen. 'Gut' kann hier eigentlich nur heißen, daß die Gesellschaft eine möglichst hohe Rendite erwirtschaftet. Das folgende Beispiel zeigt, wieviel Geld man mit einer KLV verlieren kann: Wenn ein 35jähriger 30 Jahre lang 300DM monatlich in eine Kapital-Lebensversicherung einzahlt, kann er folgende Ablaufleistungen erwarten (einige Beispiele, im Artikel sind 99 Gesellschaften aufgelistet): ( 1) 376100 DM Cosmos Leben ( 2) 374800 DM Leben Direkt ( 3) 373400 DM Europa Leben ( 4) 366400 DM Ontos Leben ( 5) 365100 DM Optima Leben ( 6) 364100 DM Debeka Leben ( 7) 361800 DM HUK-Coburg Leben (12) 347300 DM Hannoversche Leben (28) 321700 DM Provenzial Leben Kiel (38) 313300 DM DEVK (39) 313300 DM Colonia (40) 313100 DM Karlsruher Leben (50) 306400 DM Aachener-Münchener (74) 295000 DM Allianz (79) 293100 DM Nürnberger (84) 289300 DM Deutscher Herold Leben (93) 274800 DM Berlinische (99) 253600 DM Securitas Gilde Prognosen der Gesellschaften, nachzulesen in DM 8/97. Zum Vergleich mal dasselbe mit Risiko-LV (geschätzt 20 DM pro Monat) und Aktienfonds-Sparplan. 30 Jahre lang 280 DM pro Monat ergeben bei einer Rendite von 8% 397125 DM 9% 480320 DM 10% 582637 DM 11% 708554 DM 12% 863584 DM und dieser Renditebereich ist durchaus realistisch - der Templeton Growth hat von 1977-1997 eine durchschnittliche jährliche Rendite (DM-Basis) von 15.1% erreicht, seit seiner Auflegung 1954 waren es 12.7%. Natürlich gibt es dafür keine Garantie, aber bei einer KLV werden auch nur max. 4% AUF DIE SPARBEITRÄGE garantiert (also nicht auf die Prämie, was Manipulationen hinsichtlich Verwaltungskosten Tür und Tor öffnet). Der Sparanteil beträgt im übrigen laut FINANZtest 7/98 bei einer Monatsprämie von 100 DM je nach Anbieter etwa 71 DM (Hamburg-Mannheimer) bis 87 DM (Hannoversche Leben). Wer sich nicht allein auf die Prognosen der Anbieter verlassen will, sollte folgende Punkte berücksichtigen:
1. Renditen der Vergangenheit:
a) Ablaufwerte (erlebte Verträge)
b) Rückkaufwerte (gekündigte Verträge)
2. Prognosen für die Zukunft:
a) Ablaufwerte
b) Rückkaufwerte
3. Unternehmensdaten:
a) Sicherheit
b) Ertrag
c) Wachstum
Alle diese Zahlen findet man z.B. in FINANZtest 96/01 Seite 14 und kann sie dann nach eigenen Prioritäten gewichten. Hilfreich für die Auswahl einer KLV-Gesellschaft kann auch die Differenz zwischen Anlagerendite (erwirtschaftete Rendite) und Vertragsrendite (an die Kunden weitergegebene Rendite) sein. Einige Beispiele (sortiert nach Differenz):
Anlage- Vertrags- Diff.
rendite rendite
Cosmos 7,35 7,27 0,08
Ontos 7,30 7,16 0,14
HUK-Coburg 7,20 7,03 0,17
WGV-Schwäbische 7,12 6,55 0,57
Debeka 7,72 7,10 0,62
VGH 7,30 6,65 0,65
Neue Leben 7,44 6,78 0,68
Europa 7,58 6,85 0,73
Hannoversche 7,57 6,76 0,81
...
...
Allianz 7,47 5,83 1,64
Berlin-Kölnische 7,57 5,90 1,67
Gothaer 7,64 5,94 1,70
Hamburg-Mannheimer 7,63 5,93 1,70
Württembergische 7,57 5,85 1,72
...
Hansa-Merkur 7,32 5,47 1,85
Inter 7,39 5,50 1,89
Aspecta 7,13 5,23 1,90
Berlinische 7,66 5,55 2,11
BHW 8,22 5,42 2,80
Quelle: DM 4/98 und FINANZEN 4/98 (die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1996). Hier noch einige Stornoquoten, ebenfalls von 1996, von LV-Gesellschaften:
über Branchen- Vertrieb
durchschnitt
Volksfürsorge 26% DVAG, OVB
Hamburg-Mannheimer 42% HMI
Aachener und Münchener 50% DVAG
Colonia 63%
Deutscher Ring 72% OVB, Zeus
Volkswohl-Bund 80%
Besonders auffällig ist beim Deutschen Ring die extrem hohe Frühstornoquote (138% über Branchendurchschnitt).
Quelle: Sehr wichtig für die Ergebnisse einer KLV ist auch die Kostenbelastung. Der "map-report" nennt in seiner Ausgabe Nr. 422 (Preis 55 DM, Fax 04139/7019) die Kostenanteile an der Gesamtprämie eines KLV-Vertrages mit 46 TDM Versicherungssumme für 92 Gesellschaften. Ausschnitte: Deutsche Allgemeine 4,01% Optima 7,24% COSMOS 8,05% ONTOS 8,17% Hannoversche 8,40% HUK-Coburg 8,63% ... Gerling E & L 19,84% Neckura 24,08% Hamburg-Mannheimer 25,50% Aspecta 25,99% Standard Life 27,23%
Was man auch nicht vergessen sollte: oft wird die KLV als reine Kapitalanlage betrieben - an der Todesfallabsicherung besteht eigentlich gar kein Bedarf. Damit wirft man natürlich etwa 10% des Beitrags Monat für Monat zum Fenster raus.
Ein weiteres Problem: bis heute läßt der Gesetzgeber zu, daß
einzelne Gesellschaften ihren Versicherten mit Hilfe der
'stillen Reserven' Milliardenbeträge vorenthalten, was der
Bund der Versicherten (meiner Ansicht nach zu Recht) 'legalen Betrug' nennt.
Mehr dazu bei
Zur Intransparenz der KLV noch ein Zitat aus FINANZtest 7/98: Denn so intransparent wie die Kapitallebensversicherung ist kaum ein anderes Produkt. Und auch das merken die Versicherten oft erst auf den zweiten Blick - wie zum Beispiel K.S. Er wollte schlicht kontrollieren, ob die Auszahlung aus seiner Lebensversicherung im großen und ganzen stimmt. Selbstverständlich verstehe man den Wunsch nach einer nachvollziehbaren Abrechnung, schrieb ihm die Iduna höflich zurück. Erfüllen könne sie ihn dennoch nicht. Dafür sei ein "mehrjähriges Spezialstudium" notwendig. Auch die Außendienstmitarbeiter seien deshalb mit dieser Frage überfordert. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es schon zum Lachen.
Wann ist eine KLV sinnvoll?Zusammenfassend ein paar Fälle, in denen ich eine KLV für sinnvoll halte:
DirektversicherungZur Direktversicherung schrieb Emil Näpflein in der Newsgroup de.etc.finanz (neu: de.etc.finanz.misc): Alternative zur FLV und KLV bei der Direktversicherung ist eine KLV+BUZ mit geringer Ablaufleistung und Todesfallsumme und hohem BUZ-Anteil. Dies ist die preiswerteste Möglichkeit für eine BU-Grundabsicherung. Die HM soll hier bei den Bedingungen ja gar nicht so schlecht sein. Und unbedingt darauf achten, daß die Gehaltsumwandlung aus einer Einmalzahlung erfolgt. Der Vorteil ist, daß die Zahlung dann sozialversicherungsfrei ist. Da auch der Arbeitgeber-Anteil der Sozialversicherung wegfällt, kann man mit dem Arbeitgeber auch darüber verhandeln, ob er die pauschale Lohnsteuer auch noch übernimmt. Er hat dann meist immer noch einen kleinen Vorteil und Du hast eine supergünstige Absicherung, für die Du sonst viel mehr zahlen müßtest.
Ich habe schon eine KLV - was tun?Prinzipiell läßt sich eine KLV jederzeit kündigen. Weitere Möglichkeiten sind die Beitragsfreistellung und die Verkürzung der Laufzeit. Ob nun weiterführen, beitragsfreistellen, verkürzen oder kündigen die sinnvollere Alternative ist, hängt von vielen Faktoren ab. Ein Rechenschema der Zeitschrift FINANZtest, erhältlich per Faxabruf, erleichtert die Berechnung der Alternativen. Insbesonders wenn Sie die KLV nur als Kapitalanlage betreiben und für die Risikoabdeckung eigentlich gar kein Bedarf besteht, wird eine Kündigung oder Beitragsfreistellung oft die bessere Alternative sein. Zur steuerlichen Auswirkung einer Vertragsänderung schreibt Finanztest in Heft 5/98: [zitat] Einen bundeseinheitlichen Katalog der steuerschädlichen Änderungen gibt es nicht. Während in einem Bundesland die Verringerung des Beitrags steuerschädlich sein kann, kann diese Änderung in einem anderen Bundesland ohne steuerliche Konsequenzen bleiben. Das ist unschädlich: - Änderung der Zahlungsweise, - Einschluß/Ausschluß einer Zusatzversicherung, - Erhöhung der Versicherungssumme innerhalb der Dynamik, - Wechsel des Versicherungsnehmers. Das ist umstritten: - Verkürzung der Laufzeit bei Reduzierung der Versicherungssumme, - Verlängerung der Laufzeit ohne Summenerhöhung - Verringerung des Dynamisierungssatzes, - Verringerung des Beitrags/der Versicherungssumme. Das ist schädlich: - Wechsel der versicherten Person, - Verkürzung der Laufzeit ohne Summenreduzierung, - Erhöhung der Versicherungssumme, - Erhöhung des Dynamisierungssatzes, - Erhöhung des Beitrages. Quelle: OFD Kiel [ende] Ein weiterer Grund, von der KLV abzuraten. Und wenn Sie schon eine abschließen, dann wenigstens nur über 12 Jahre (außer Direktversicherung natürlich).
Update 17.5.99:
[zitat]
In den von Ihnen genannten Beispielen ergeben sich hieraus folgende steuerliche Auswirkungen:
[zitat ende]
Die fondsgebundene KLVEine Sonderform der KLV ist die fondsgebundene KLV, bei der Ihre Sparbeiträge in Investmentfonds angelegt werden. Die Anbieter versprechen für die FKLV höhere Erträge, verschweigen aber meist das hohe Risiko: prinzipbedingt gibt es hier keine Garantieverzinsung, nicht einmal die bescheidenen 3,5 oder 4% der normalen KLV. Niemand kann heute vorhersagen, wie die Wertentwicklung eines Fonds in Zukunft verläuft. Die Ablaufprognosen einer FKLV sind also noch viel mehr Spekulation als bei einer KLV. Dazu kommt, daß Fondspolicen oft mit hohen Kosten belastet sind. Siehe dazu FINANZtest Heft 9/99 Seite 12. Leider werden für eine FKLV auch oft Fonds verwendet, die sich in der Vergangenheit keineswegs durch gute Leistungen hervorgetan haben. Noch übler: oft preisen Verkäufer eine FKLV mit den Renditen des zugrundeliegenden Fonds an - was natürlich irreführend ist, weil ja von Ihrer Monatsprämie erst noch die Risikokosten, Verwaltungskosten, Versicherungsgewinn und Ausgabeaufschlag des Fonds abgehen. Eine weitere Methode, an Ihr Geld zu kommen, ist FKLV mit Fondsswitching. Dabei wechseln die Verwalter Ihrer FKLV nach Gusto zwischen verschiedenen Fonds, angeblich, um höhere Gewinne zu erzielen. Sie sollten davon ausgehen, daß bei diesem Fondspicking schlechtere Ergebnisse erzielt werden (mehr zu Fondspicking hier) - Sinn des ganzen ist vielmehr, daß man Ihnen bei jedem Switchen neue Gebühren abziehen kann. Es gibt auch immer mehr Hinweise darauf, daß die praktisch erzielten Ergebnisse von FKLV's trotz guter Börsenentwicklung in letzter Zeit katastrophal schlecht sind - offensichtlich eine Folge der hohen Kostenbelastung.
Dazu ein Beitrag des DFI Gerlach-Reports
und ein Vergleich
Was Verkäufer erzählenUm eine KLV zu verkaufen, verwenden Verkäufer außer Psychotricks gerne auch folgende Argumente:
Das Ergebnisdes Wirkens vieler Verkäufer beschrieb kürzlich Hans-Peter Popowski in der Newsgroup de.etc.finanz so: > Ich muß mir fast tagtäglich Versicherungsverträge, > Bausparverträge, Kapitalanlagen und Finanzierungs- > unterlagen von meinen Kunden anschauen; und was ich da > immer feststelle, geht auf keine Kuhhaut. > Überversichert, unnötige Versicherungen, unnötige bzw. > überzogene Bausparverträge, Kapitalanlagen am Einkommen > des Betroffenen total vorbei (meist auch mit Totalverlust > des eingesetzten Kapitals), Finanzierungskonzepte für > Immobilien mit KLV's, usw.! > Wenn man dann hinterfragt, wie es dazu gekommen ist: > da könnte man Romane schreiben. Auf die Frage, wer es > denn vermittelt hat: Verwandte, gute Bekannte, oder > zumindest von vorherigen empfohlen.
Weitere Beiträge:
Kritik? Anregungen? Kaputte Links? Hier finden Sie meine eMail-Adresse.
Letzte Änderung: 12.11.06 |