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Ostimmobilie zum x.

Zu diesem Thema vier meiner Beiträge in der Newsgroup de.etc.finanz.misc:

> Für den Erwerb von Sonder-Afa Immobilien wird bei den
> Diskussionen hier immer von einem Kaltmiete/Kaufpreis-
> verhältnis von etwa 20 ausgegangen.
[...]
> Ja gibt es nun zu viele Immobilien (warum dann
> offensichtlich unrentable - jedenfalls für den Käufer -
> Preise), zu viele Dumme, oder wie kann man diesen Wert
> richtig bewerten?

Diesen Wert kannst Du Dir ganz einfach selbst überlegen:

Nimm an, Du hast 300TDM rumliegen. Die willst Du anlegen. Einfachste Art: irgendwas Sparbuch-ähnliches, Anleihe, BuScha oder so. Bringt Dir ~4% Rendite pro Jahr - ohne Riskio.

Ein Immobile hat immer ein gewisses Riskio (wühl Dich mal durch meine HP) und sollte daher sagen wir mal 5% Rendite pro Jahr bringen:

   300000DM * 5% -> 15000DM
Das ist also das, was jedes Jahr netto rüberwachsen sollte, die Jahres-Netto-Kaltmiete also. Kaufpreis / JNKM ergibt also die berühmte Zahl 20. Im Moment ist es aber so, daß das Verhältnis von erzielbaren Mieten und Immobilienpreisen in vielen Gebieten nicht mehr stimmt. Dann kann man als Immobilien-Anwärter nur zweierlei tun:
  • sein Geld anderweitig anlegen
  • sich mit geringeren Renditen zufrieden geben und auf bessere Zeiten hoffen.
Aber Vorsicht: Renditen können bei fremdfinanzierten Immobilien auch negativ sein.

Wie Mathias schon richtig schrieb: jeder Immobilienprofi rechnet so. Die Steuerersparnis darf nur ein Zubrot sein, das man am besten seiner persönlichen Instandhaltungsrücklage zuführt. Denn je älter eine Immobilie wird, desto größer wird auch der Instandsetzungsbedarf. Nach 25 Jahren wird eine Immobilie zwar schuldenfrei sein - sie wird aber auch Kosten einer Grundrenovierung und Modernisierung verlangen, die locker den halben Kaufpreis erreichen können.

Und was die Dummen betrifft: ja, die gibt es hier reichlich:

Weil sie eine Investition tätigen, die sie nicht überschauen und auch nicht über einen längeren Zeitraum nachrechnen können:
"Die meisten Privatpersonen, die bei ihrem Immobilienerwerb Verluste machen, merken es noch nicht einmal."

Weil sie sich von einer Steuerersparnis blenden lassen: "Gier frißt Hirn"

Man kann es nicht oft genug sagen: Steuerersparnis an sich ist absolut unwichtig. Wichtig ist nur die Rendite einer Anlage NACH STEUERN.

Gruß,
Wolfgang


> Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, daß der
> Gesetzgeber lediglich die Rendite der Bauträger und
> Makler und die Dummheit von Anlegern im Auge hatte, als
> dieses Sparmodell ins Leben gerufen wurde.

Der Gesetzgeber sagt doch nichts zu den Preisen, zu denen Immobilien angeboten werden. Er geht davon aus, daß der Bürger ein denkender Mensch ist, der keine Verträge unterschreibt, die er nicht überschaut.

Und den Gesetzgeber interessiert vor allem eines: die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnungen sicherzustellen. Dazu müssen Investoren angelockt werden. Ob das für diese ein gutes Geschäft ist, ist dabei völlig uninteressant.

Aus der Tatsache, daß diese Konstruktionen steuerlich möglich sind, ein Qualitätsurteil herauslesen zu wollen halte ich für völlig verfehlt.

> Selbst Finanztest rät nicht gänzlich von Investitionen
> in Abschreibungsimmobilien ab, speziell wenn man im
> Spitzenbesteuerungsbereich liegt.

Daß Du Finanztest liest, ist ja schon mal ein guter Anfang ;-) Du solltest es aber gründlich tun - dann wirst Du nämlich genau die erwähnten Faktoren 18-20 finden (wie in den u.g. Artikeln auch). Lies mal diese Seite und den zugehörigen Artikel in FT 4/98.

Ein besonders wichtiger Rat daraus:

"Stellen Sie eine langfristige Liquiditätsrechnung über 15 bis 20 Jahre auf, in der Sie Ihre voraussichtlichen Einnahmen aus der Immobilie (inklusive Steuerersparnisse) sämtlichen Ausgaben gegenüberstellen. "

Wie auf einigen anderen Seiten auf meiner HP dargestellt, wird bei Angeboten solcher Immobilien nämlich meist alles getan, um die tatsächlichen Belastungen nach Ablauf der Zinsfestschreibung und der erhöhten Abschreibung zu verschleiern.

Lies auch mal die Geschichte meiner Steuersparimmobilie.

Und ich kann Dir versichern, daß ich mit meinen Erfahrungen keineswegs allein dastehe. In den letzten 10-15 Jahren wurden in Deutschland hunderttausende von Steuersparern abgezockt mit völlig überteuerten Immobilien.

Irgendwie habe ich den Eindruck, daß Dir die Gefahren einer solchen Investition noch nicht klar sind: Zu jeder WEG einer Steuersparimmobilie gehören erschütternde menschliche Schicksale, Zwangsversteigerungen sind eher die Regel als die Ausnahme (in meiner WEG über 10% bisher). Das geht dann weiter bis hin zum Selbstmord, wenn die Menschen in Rente gehen, und dann statt einer Altersvorsorge nur Schulden haben.

Ein paar Artikel zum Thema:

   FINANZtest 10/98    Allianz der Abzocker
   DM 12/97-166        Verraten und gekauft
   Spiegel 13/98-122   Kredite aus der Ferne
   DM 7/97-131         Krisen-Gewinne
   DM 7/97-140         Alters-Ruhekissen

Lies das Buch

   Kim Feldmann
   Vorsicht: Absahner und Immobilienhaie
   Ullstein TB 35646

Überhaupt solltest Du alles lesen, was auf meiner HP unter "Immobilien, Steuern sparen" steht. Weitere Links gibts hier.

Von Finanztest gibt es per Faxabruf eine 'Checkliste für den Kauf einer vermieteten ETW zur Kapitalanlage'.

> Es geht nicht lediglich darum, 300K günstig anzulegen.
> Selbstverstaendlich würde ich für die Finanzierung den
> Eigenkapitalanteil so gering wie möglich halten.

Umso größer wird das Risiko bei Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit. Hoffentlich fängst Du nicht auch noch mit Tilgungsaussetzung und KLV an :-(

> Mich reizen natürlich auch die extrem niedrigen
> Hypozinsen...

Wie gesagt: langfristige Liqiditätsrechnung über 15-20 Jahre aufstellen. Und ich würde so etwas auch nur in Erwägung ziehen, wenn Du wirklich Spitzensteuersatz bezahlst. Im Zweifelsfall mußt Du auch damit klarkommen können, wenn mal ein Jahr lang keine Miete kommt.

> Kann man auch den Fehler begehen, eine Immobilie
> NICHT zu kaufen?

Erstens muß sie sich rechnen und zweitens sind da immer viele Unbekannte dabei, so daß man das erst hinterher genau weiß.

Gruß,
Wolfgang


[...]
>> Und ich kann Dir versichern, daß ich mit meinen
>> Erfahrungen keineswegs allein dastehe. In den
>> letzten 10-15 Jahren wurden in Deutschland
>> hunderttausende von Steuersparern abgezockt mit
>> völlig überteuerten Immobilien.
>
> Gibt es dazu eigentlich genauere Zahlen?

Das wird man nur schätzen können, da

  • viele hinterher so Pleite sind, daß sie nicht mehr klagen können
  • andere wiederum das halt wegstecken.
Wie willst Du da an genaue Zahlen kommen? Die Anbieter geben sich zu der Frage, wieviel sie verkaufen, auch sehr zugeknöpft, ebenso die Bankster.

Die

   Aktion Solidarität
   Schutzverband für Opfer fehlfinanzierter Immobilien
   Berkelstr. 8a
   44628 Herne
   Tel. 02323/35978

schätzt,

  • daß etwa eine Million Familien in Deutschland immobilien- oder finanzierungsgeschädigt sind und zwar meistens mit dem Ergebnis erheblicher Vermögensvernichtung und
  • daß etwa 80 Mrd DM an Krediten jedes Jahr für Steuersparmodelle vergeben werden.
Das erklärt dann auch, warum die Banken bei dieser Schweinerei mitmachen. Hoffentlich entwickelt sich die BGH-Rechtsprechung in Sachen Bankenhaftung kräftig weiter.

Die Schätzung des Gerlach-Report dazu hatte ich ja kürzlich hier gepostet: etwa 20 Mrd. DM Anlegerschäden pro Jahr.

>> Und noch ein lesenwertes Buch:
>>
>>   Kim Feldmann
>>   Vorsicht: Absahner und Immobilienhaie
>>   Ullstein TB 35646
>
> Ich habe mir (auf Deine Empfehlung hin) das Buch "Der
> Traum vom schnellen Geld" von Ihr (Kim) gekauft. Was mich
> dabei etwas aufregte war, daß ein Großteil des Buches
> davon handelte, wie schlecht es ihr durch den
> Strukturvertrieb ging, aber nur ein winzig kleiner Teil
> davon handelte, was aus ihren Kunden wurde und warum dies
> so war.

Das hat sie inzwischen IMO gründlich aufgearbeitet und in das zweite Buch einfließen lassen. Für mich ist das erste Buch u.a. deswegen so lesenswert, weil es genau die Heilbronner Mafia beschreibt, der ich auch meine Schrottimmo zu verdanken habe. Ich erkenne Personen und Orte wieder, trotz vertauschter Namen. Und ich kann bestätigen: genau so lief es.

> Das schafft zwar einen Einblick in die Persönlichkeit,
> deswegen brauche ich aber kein zweites Buch von ihr lesen.
> Ist dies hier anders?

Ja, zumindest große Teile sind eher Sachbuch zu Immobilien im Allgemeinen und Steuersparimmobilien im Besonderen. Sie arbeitet aber auch die psychologischen Aspekte (warum kauft jemand sowas, wie funktioniert der Strukturvertrieb) durch und bringt auf über 60 Seiten Anlegerschicksale.

Besonders gefallen hat mir eine mehrseitige Vergleichsrechnung:

  • Kauf einer gebrauchten Wohnung auf 'herkömmliche' Art
  • Kauf derselben Wohnung als Steuersparmodell.
Noch ein anderer Punkt: praktisch keinem Käufer einer solchen Steuersparimmobilie ist bekannt, was der Vermittler daran verdient. Ausgewiesen wird ja nur die sog. Außenprovision in Höhe von i.d.R. 3,45 %, beispielsweise bei 200 TDM Gesamtaufwand 6900 DM.

Das reicht natürlich noch nicht, um dem Vermittler seine Moral abzukaufen. Deshalb erhält er noch die sog. Innen- provision, und die liegt oft bei bis zu DREISSIG Prozent, im Beispiel also 60000 DM - der Mindestwert dürfte bei 30000 DM liegen.

Damit erreichen die Weichkosten einer solchen Immobilie dann bis zu 50% - und damit ist klar, daß sich eine solche Investition niemals rechnen kann, selbst wenn man die Hälfte davon durch die Steuer wiederbekommt.

Diese 50% sind vielleicht nicht die Regel, aber 30% (unnötige und vermeidbare) Weichkosten ist bei diesen Angeboten die Regel.

Fröhliches Steuersparen.

Gruß,
Wolfgang


[...]
> Bitte weiter so rege kommentieren.

Eigentlich hast Du ja jetzt die Chance gehabt, genügend Informationen zur Kenntnis zu nehmen. Ich hoffe für Dich, daß Du alles, was auf meiner HP dazu steht, auch gelesen hast. Siehe auch mein heutiges Posting "Immobilien-Mafia".

Falls Du noch nicht kuriert bist, hier nochmal kurz das Wichtigste:

  • Schau Dir das Objekt und seine Umgebung vor Ort und in Ruhe an. Du weißt ja: 1. die Lage 2. die Lage 3. die Lage.
  • Untersuche die Bausubstanz und Sanierungsqualität mit Hilfe eines Sachverständigen. Stichwort: Pinselsanierung
  • Laß Dir eine Finanzierungsrechnung bis zum Ende der Finanzierung vorlegen. Prüfe alle Annahmen, zB indem Du sie hier postest.
    • Das einzig sichere sind die Beträge, die Du jeden Monat an Bank und ggf. Versicherung bezahlen must.
    • Die Ausgaben werden gerne runtergerechnet (Verwalter, Rücklage, ...)
    • Prüfe das Mietniveau vor Ort.
    • Ob Miete eingeht, ist nie sicher.
    • Mietgaranten sind oft 50000DM-GmbHs, die nur zum Zwecke des Pleitegehens gegründet werden.
    • Geh auch mal davon aus, daß Du ein oder zwei Jahre lang keine Miete bekommst. Kannst Du das verkraften?
  • Eine Steuersparimmobilie läßt sich oft nur für wenig mehr als den halben Kaufpreis wieder verkaufen: da die Steuervorteile beim Käufer minimal sind, ist er nicht bereit, den Preis dafür zu bezahlen, den Du "wegen der Steuerersparnis" dafür bezahlt hast. Rechne mit mindestens 10 Jahren, bis der Verkaufspreis auch nur in die Nähe des Kaufpreises kommt.
  • Mache Dir klar, daß Du ruiniert bist, falls Du BU oder längere Zeit arbeitslos wirst.
  • Kinderjahr? Verkürzte Arbeitszeit? Vergiß es, Du must voll verdienen, um genügend Steuern zu zahlen, von denen Du dann einen kleinen Teil sparen kannst.
  • Mache Dir klar, daß die Schulden Deine Kreditlinie belasten. Du kannst Dir vermutlich keine Wohnung für Dich selbst kaufen, solange Du dieses Objekt am Hals hast (es sei denn, Du verdienst weit überdurchschnittlich).
  • Was bei allen Angeboten des grauen Kapitalmarktes so an Finanzierungsplänen vorgelegt wird, ist nichs anderes als unverbindliches Geschwätz. Da kommen dann so tolle Worte wie "Prognoserendite" vor, um zu verschleiern, daß diese Zahlen nur völlig unverbindliche Möglichkeiten darstellen, die eintreten können oder auch nicht. Wobei die Wahrscheinlichkeit für letzteres VIEL größer ist. GARANTIEREN tut dem Anleger niemand etwas, und jeder tut gut daran, davon auszugehen, daß alle Annahmen zum Wohle des Verkäufers getätigt worden sind. Das einzig sichere sind die Raten, die man an die Bank zu zahlen hat.
  • Man denke als an einer Steuersparimmobilie interessierter mal darüber nach, warum in offenen Immobilienfonds so gut wie nie WOHNimmobilien zu finden sind. Tip: ich würde davon ausgehen, daß die Manager solcher Fonds rechnen können.
Lies nochmals diese und diese Seite.

Und das wichtigste: jammere hier künftig nicht rum, falls es schiefgeht ;-)

Gruß,
Wolfgang


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Letzte Änderung: 12.11.06