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Strukturvertriebe und Co.

Ein Heer von selbsternannten "Vermögensberatern" ist ständig auf der Suche nach Opfern, denen man noch eine Lebensversicherung, einen Bausparvertrag oder einen Sparplan vermitteln könnte. Organisiert sind diese Provisionsjäger in Strukturvertrieben: ganz unten steht der nebenberufliche Vermittler, der für geringes Entgelt in seinem Bekanntenkreis Interessenten aufspürt. Über ihm thronen Bezirksleiter und Direktoren, die um so höhere Provisionen kassieren, je mehr Mitarbeiter für sie anschaffen.

Von einer "unabhängigen Vermögensberatung" kann allerdings nicht die Rede sein: meist vermitteln die "Strukies" nur Produkte ausgewählter Unternehmen, mit denen Vertriebsabkommen bestehen.

Auf folgende Punkte sollten Sie besonders achten:

  • Getürkte Bedarfsermittlung
    Geschulte Berater steuern oft von Anfang an das Gespräch hin auf den Abschluß von Verträgen, für die es eine hohe Provision gibt, wie zB Abschluß einer Kapitallebensversicherung. Je mehr Bedarf ein Berater ermittelt, um so höhere Provisionseinnahmen kann er später erhoffen.
  • Steuerberatung
    Steuerberatung darf nur betreiben, wer dafür die staatliche Zulassung besitzt. Vermittler, die mit "Steuerberatung" werben, helfen Ihnen deshalb auch nicht bei Ihrer Steuererklärung, sondern sind nur darauf aus, Ihnen Steuersparanlagen zu verkaufen.
  • Rentenberatung
    Die "Rentenberatung" der Strukturvertriebe zielt meist nur darauf ab, eine hohe Versorgungslücke auszurechnen. Dieses Loch wird dann durch den Abschluß einer Lebensversicherung gestopft. Je größer die Versorgungslücke, um so höher die Versicherungssumme und umso höher die Vertreterprovision. Brauchen Sie in Rentenfragen eine solide Beratung, ist der Weg zu einem zugelassenen Rentenberater sinnvoller. Adressen können Sie kostenlos beim Bundesverband der Rentenberater (Tel. 0221/234516) anfordern.

Hier ein lesenswerter Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der großen Vertriebe: DVAG, OVB, AWD, HMI, Bonnfinanz - trickreiche Plünderer des deutschen Spargroschens und der Erfahrungsbericht eines ehemaligen Strukies.

Für besonders schlimme Drückerkolonnen hält der Bund der Versicherten (BdV) folgende Organisationen:

Unternehmen Merkmale
Deutsche Vermögensberatung DVAG mit ca. 30000 (Stand 5/2002) "Vermögensberatern" als Verkäufer für die Aachener & Münchener, Volksfürsorge und Advocard
WiSo 19.07.99
PlusMinus 13.10.98
WiSo Stichprobe
Bund der Versicherten zur DVAG
GERLACH Report zur DVAG
Kritische Stimmen zur DVAG (M. Kronenberg)
Kontraste zur DVAG
Renditen der AM Leben
Erfahrungen mit Finanz-'Beratern'
Beratungsqualität
HMI für Hamburg-Mannheimer mit ca. 20000 (Stand 1999) Verkäufern
OVB mit ca. 10000 (Stand 1999) Verkäufern für Deutscher Ring, Volksfürsorge, Hanse-Merkur, Iduna/Nova
Berliner "B.Z." zu OVB
WiSo 19.07.99
WiSo Stichprobe

Daneben gibt es viele andere aggressive Vertriebsorganisationen wie

AWD mit über 3000 (Stand 5/2002) hauptberuflichen "Wirtschaftsberatern"
PlusMinus 19.01.99
PlusMinus 13.10.98
WiSo Stichprobe
ZDF Mit mir nicht
FINANZtest 4/97
IFF Hamburg
Posting zur AWD-Beratungsqualität
Posting zur AWD-Beratungsqualität
AWD - ein Brief
Erfahrungen als AWD-Berater
Erfahrungen als AWD-Berater 2
Bonnfinanz mit ca. 1900 (Stand 1999) "Vermögens-, Finanz- oder Wirtschaftsberatern" für Deutscher Herold/Deutsche Bank
WiSo 19.07.99
MLP Maschollek, Lautenschläger ...
WDR ServiceZeit Geld 16.05.2002
WDR Markt 09.10.2000
WiSo 19.07.99
Ein MLP-Angebot
Zeus Deutscher Ring, Continentale
... Kundenfang durch Vertrauen (ZDF Frontal21 11.06.2002)

und viele hundert weitere Drückertruppen (O-Ton BdV) - wie zum Beispiel die BVB Quinz Holding, ...

Sie vermitteln ihre Verträge sehr oft an nicht empfehlenswerte Gesellschaften und Konzerne mit schlechten oder viel zu teuren Angeboten.

Besonders gefährlich: ein guter "Strukie" ist dem Kunden rhetorisch haushoch überlegen. Dagegen hilft nur, nichts ohne Bedenkzeit und Beratung mit kundigen Freunden, einer Verbraucherzentrale, Ihrem Steuerberater oder Anwalt zu unterschreiben.

Lassen Sie sich vor allem nicht durch das Steuersparargument oder durch Traumrenditen den Blick für die Realitäten vernebeln.

Eine lesenswerte Zusammenfassung der Abzockmethoden im Laufe der letzten 50 Jahre.


Quellen: BdV, FINANZtest, Geldtips. Weitere Referenzen finden Sie hier.

Auf steigendes Problembewußtsein deutet folgende Meldung vom 18.08.1998 hin:

Versicherungsaufseher will Berufsverbot für "schwarze Schafe"

München (AP) Der Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das
Versicherungswesen, Helmut Müller, hat ein Berufsverbot für
"schwarze Schafe" unter den Versicherungsvermittlern
gefordert. Die Vermittler sollten in eine Liste eingetragen
werden. "Sobald der Verkäufer einmal negativ aufgefallen ist,
fliegt er raus aus der Liste und darf keine Versicherungen
mehr vermitteln", schlug Müller in einem am Montag
veröffentlichten Interview mit dem in München erscheinenden
Wirtschaftsblatt "Handwerk Magazin" vor.
Als besonders schlimm bezeichnete er die Drückerkolonnen.
Da viele Versicherungsunternehmen das Problem nicht selbst
lösen könnten, sei der Gesetzgeber aufgerufen, für eine
Änderung zu sorgen.


Vereinzelt wird mir vorgehalten, meine generelle Warnung vor Verkäufern von obigen Organisationen sei zu pauschal - es gäbe doch auch da korrekt arbeitende Verkäufer. Dazu meine Stellungnahme in der Newsgroup de.etc.finanz (neu: de.etc.finanz.misc):

[...]
>Trotzdem sollte man nicht alle ueber einen Kamm scheren, oder?

*seufz*
Das Problem ist doch folgendes:
wir sind uns hier wohl ziemlich einig, daß die Beratungsqualität
von Verkäufern von Finanzprodukten zu einem großen Teil mies ist.
Meiner Überzeugung nach kann ein provisionsorientiertes System
auch keine für den Kunden gute Empfehlungen hervorbringen.
Denn: viele sinnvolle Produkte bringen dem Verkäufer keine
Provision, wie zB
- Bundesschatzbriefe
- KLV bei einer renditestarken Gesellschaft (da dies
  meist Direktversicherer sind)
- Sachversicherungen bei einem Direktversicherer
- Fonds bei einem Discount-Broker
- Risiko-Lebensversicherung statt KLV
und so weiter.
Ein Verkäufer muß Produkte verkaufen, an denen er etwas verdient.
Hier treffen also Interessengegensätze aufeinander, die meiner
Überzeugung nach unauflösbar sind.
Es ist dabei erst einmal nebensächlich, ob es sich hier um Verkäufer
von AWD, Bausparkasse, DVAG, MLP, OVB, irgendeiner Versicherung oder
was auch immer handelt. Der Kunde wird mit großer Wahrscheinlichkeit
etwas unvorteilhaftes empfohlen bekommen.
Nennen wir die Wahrscheinlichkeit dafür mal x.
Ich schätze x so pi mal Daumen auf 95% - aber die genaue Zahl
tut eigentlich erstmal nichts zur Sache.

Was antworte ich jetzt jemand, der hier fragt, was von Verkäufern
der xyz zu halten ist?
Der Fragesteller hat ja dadurch, daß er diese Frage in dieser Gruppe
gestellt hat, zu erkennen gegeben, daß er kein Finanzspezialist ist.

Soll ich ihm jetzt sagen: es gibt überall gute Verkäufer, schau ihn
Dir halt an? Ich weiß aber auch, daß die allermeisten Verkäufer ihr
Handwerk erstklassig beherrschen und daß ein Laie gegen ihre
Überredungskünste keine Chance hat (siehe dazu auch
http://www.wolfgang-kynast.de/geld/psycho.htm )

Da ziehe ich es doch vor, den (100-x)% anständigen Verkäufern
Unrecht zu tun, und dem Fragesteller zu sagen:
- laß die Finger von allen Verkäufern
- mach Dich selber schlau - Du kannst leicht 100TDM einbüßen,
   wenn Du es nicht tust.
- lies folgendes: ....
- frag hier

Und eines muß ich auch klar sagen: wenn hier jemand erzählt, er sei
schon 2 Jahre Kunde bei xyz und sehr zufrieden mit seinem Berater,
dann kann ich nur müde lächeln.

Ich habe 15 Jahre gebraucht, bis ich gemerkt habe, wie der Kunde
von dieser Branche verarscht und abgezockt wird.
Und damit meine ich nur den 'anständigen' Teil des Finanzmarktes,
also Banken, Versicherungen und Co.

Seit ich mich intensiver mit dem grauen Kapitalmarkt beschäftige,
komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus, was in dieser unserer
Republik alles legal möglich ist.
Deshalb meine Seiten 'Abzockerparadies Deutschland' und
'Mit Vorsicht genießen'.

Festzuhalten bleibt auch, daß die ganzen üblen Produkte des Finanz-
marktes, und dazu zähle ich für den Normalverdiener alle
Steuersparanlagen, leider genau von den Vertriebsorganisationen
verkauft werden, für die ich oben einige Beispiele genannt habe.

Und dann kommst Du und forderst Einzelfallgerechtigkeit.

Ich ziehe es vor, auf der sicheren Seite zu bleiben und erstmal
zu warnen. Und da ich in x% aller Fälle ja auch Recht habe,
kann ich mit der Kritik einiger weniger gut leben.


Kritik? Anregungen? Kaputte Links? Hier finden Sie meine eMail-Adresse.

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Letzte Änderung: 12.11.06