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Strukturvertriebe und Co.Ein Heer von selbsternannten "Vermögensberatern" ist ständig auf der Suche nach Opfern, denen man noch eine Lebensversicherung, einen Bausparvertrag oder einen Sparplan vermitteln könnte. Organisiert sind diese Provisionsjäger in Strukturvertrieben: ganz unten steht der nebenberufliche Vermittler, der für geringes Entgelt in seinem Bekanntenkreis Interessenten aufspürt. Über ihm thronen Bezirksleiter und Direktoren, die um so höhere Provisionen kassieren, je mehr Mitarbeiter für sie anschaffen. Von einer "unabhängigen Vermögensberatung" kann allerdings nicht die Rede sein: meist vermitteln die "Strukies" nur Produkte ausgewählter Unternehmen, mit denen Vertriebsabkommen bestehen. Auf folgende Punkte sollten Sie besonders achten:
Hier ein lesenswerter Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der großen Vertriebe: DVAG, OVB, AWD, HMI, Bonnfinanz - trickreiche Plünderer des deutschen Spargroschens und der Erfahrungsbericht eines ehemaligen Strukies. Für besonders schlimme Drückerkolonnen hält der Bund der Versicherten (BdV) folgende Organisationen:
Daneben gibt es viele andere aggressive Vertriebsorganisationen wie
und viele hundert weitere Drückertruppen (O-Ton BdV) - wie zum Beispiel die BVB Quinz Holding, ... Sie vermitteln ihre Verträge sehr oft an nicht empfehlenswerte Gesellschaften und Konzerne mit schlechten oder viel zu teuren Angeboten. Besonders gefährlich: ein guter "Strukie" ist dem Kunden rhetorisch haushoch überlegen. Dagegen hilft nur, nichts ohne Bedenkzeit und Beratung mit kundigen Freunden, einer Verbraucherzentrale, Ihrem Steuerberater oder Anwalt zu unterschreiben. Lassen Sie sich vor allem nicht durch das Steuersparargument oder durch Traumrenditen den Blick für die Realitäten vernebeln. Eine lesenswerte Zusammenfassung der Abzockmethoden im Laufe der letzten 50 Jahre.
Quellen: BdV, FINANZtest, Geldtips. Weitere Referenzen finden Sie hier. Auf steigendes Problembewußtsein deutet folgende Meldung vom 18.08.1998 hin: Versicherungsaufseher will Berufsverbot für "schwarze Schafe" München (AP) Der Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungswesen, Helmut Müller, hat ein Berufsverbot für "schwarze Schafe" unter den Versicherungsvermittlern gefordert. Die Vermittler sollten in eine Liste eingetragen werden. "Sobald der Verkäufer einmal negativ aufgefallen ist, fliegt er raus aus der Liste und darf keine Versicherungen mehr vermitteln", schlug Müller in einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem in München erscheinenden Wirtschaftsblatt "Handwerk Magazin" vor. Als besonders schlimm bezeichnete er die Drückerkolonnen. Da viele Versicherungsunternehmen das Problem nicht selbst lösen könnten, sei der Gesetzgeber aufgerufen, für eine Änderung zu sorgen.
Vereinzelt wird mir vorgehalten, meine generelle Warnung vor Verkäufern von obigen Organisationen sei zu pauschal - es gäbe doch auch da korrekt arbeitende Verkäufer. Dazu meine Stellungnahme in der Newsgroup de.etc.finanz (neu: de.etc.finanz.misc): [...] >Trotzdem sollte man nicht alle ueber einen Kamm scheren, oder? *seufz* Das Problem ist doch folgendes: wir sind uns hier wohl ziemlich einig, daß die Beratungsqualität von Verkäufern von Finanzprodukten zu einem großen Teil mies ist. Meiner Überzeugung nach kann ein provisionsorientiertes System auch keine für den Kunden gute Empfehlungen hervorbringen. Denn: viele sinnvolle Produkte bringen dem Verkäufer keine Provision, wie zB - Bundesschatzbriefe - KLV bei einer renditestarken Gesellschaft (da dies meist Direktversicherer sind) - Sachversicherungen bei einem Direktversicherer - Fonds bei einem Discount-Broker - Risiko-Lebensversicherung statt KLV und so weiter. Ein Verkäufer muß Produkte verkaufen, an denen er etwas verdient. Hier treffen also Interessengegensätze aufeinander, die meiner Überzeugung nach unauflösbar sind. Es ist dabei erst einmal nebensächlich, ob es sich hier um Verkäufer von AWD, Bausparkasse, DVAG, MLP, OVB, irgendeiner Versicherung oder was auch immer handelt. Der Kunde wird mit großer Wahrscheinlichkeit etwas unvorteilhaftes empfohlen bekommen. Nennen wir die Wahrscheinlichkeit dafür mal x. Ich schätze x so pi mal Daumen auf 95% - aber die genaue Zahl tut eigentlich erstmal nichts zur Sache. Was antworte ich jetzt jemand, der hier fragt, was von Verkäufern der xyz zu halten ist? Der Fragesteller hat ja dadurch, daß er diese Frage in dieser Gruppe gestellt hat, zu erkennen gegeben, daß er kein Finanzspezialist ist. Soll ich ihm jetzt sagen: es gibt überall gute Verkäufer, schau ihn Dir halt an? Ich weiß aber auch, daß die allermeisten Verkäufer ihr Handwerk erstklassig beherrschen und daß ein Laie gegen ihre Überredungskünste keine Chance hat (siehe dazu auch http://www.wolfgang-kynast.de/geld/psycho.htm ) Da ziehe ich es doch vor, den (100-x)% anständigen Verkäufern Unrecht zu tun, und dem Fragesteller zu sagen: - laß die Finger von allen Verkäufern - mach Dich selber schlau - Du kannst leicht 100TDM einbüßen, wenn Du es nicht tust. - lies folgendes: .... - frag hier Und eines muß ich auch klar sagen: wenn hier jemand erzählt, er sei schon 2 Jahre Kunde bei xyz und sehr zufrieden mit seinem Berater, dann kann ich nur müde lächeln. Ich habe 15 Jahre gebraucht, bis ich gemerkt habe, wie der Kunde von dieser Branche verarscht und abgezockt wird. Und damit meine ich nur den 'anständigen' Teil des Finanzmarktes, also Banken, Versicherungen und Co. Seit ich mich intensiver mit dem grauen Kapitalmarkt beschäftige, komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus, was in dieser unserer Republik alles legal möglich ist. Deshalb meine Seiten 'Abzockerparadies Deutschland' und 'Mit Vorsicht genießen'. Festzuhalten bleibt auch, daß die ganzen üblen Produkte des Finanz- marktes, und dazu zähle ich für den Normalverdiener alle Steuersparanlagen, leider genau von den Vertriebsorganisationen verkauft werden, für die ich oben einige Beispiele genannt habe. Und dann kommst Du und forderst Einzelfallgerechtigkeit. Ich ziehe es vor, auf der sicheren Seite zu bleiben und erstmal zu warnen. Und da ich in x% aller Fälle ja auch Recht habe, kann ich mit der Kritik einiger weniger gut leben.
Kritik? Anregungen? Kaputte Links? Hier finden Sie meine eMail-Adresse.
Letzte Änderung: 12.11.06 |