Festverzinsliche Anlagen

Ein Beitrag von Martin Gerdes


    0. Vorweg

        "Warum machst Du Dir eigentlich die Mühe, solche Texte zu schreiben?" 

        Hm. Kleine persönliche Schwäche, die Du mir bitte nachsehen willst. Nein - ich kriege nichts dafür, höchstens eine E-Mail von Dir (Kommentare, Ergänzungen usw. werden gern genommen). 

        Ich erzähle im folgenden über festverzinsliche Anlagen, und erkläre Dir so nebenbei verschiedene Fachausdrücke im Glossar

        Die Rechnungen sind alle vereinfacht, das nur zur Klarstellung. Streng genommen müßte man komplizierter rechnen, aber für die Übersicht sind die vereinfachten Rechnungen schon in Ordnung. 

        Der Text ist am Anfang einfacher zu verstehen als am Ende - klar, Du sollst ja auch dabei etwas lernen. Wenn Du aber jetzt schon an eine bestimmte Stelle springst, könnte es sein, daß Du das dargestellte nicht verstehen kannst. In dem Fall mußt Du halt den Text der Reihe nach durcharbeiten :-( 

        Die meisten haben klein angefangen - ich auch - und das, was ich hier aufschreibe, habe ich selbst auch nicht in dreißig Minuten gelernt. 

        Ich vertrete in diesem Text meine persönliche, private Meinung. Ergänzungen gern, Zitate gern; große Teile oder den kompletten Text anderswo veröffentlichen - nein. Das Urheberrecht sagt: dieser Text gehört mir. 
         

    01. Immer noch vorweg

        Nun isser schon wieder ein Jahr älter, dieser Text - und es ist Zeit, 'mal wieder durchzugehen.

        Den Finanzminister nennt man "Hans im Glück", gerade hat er völlig unerwartet 100 Milliarden eingenommen (UMTS = "Unerwartete Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden"), und er genießt eine für einen Finanzminister verblüffende Popularität.

        "Die Sozis können nicht mit dem Geld umgehen - hieß es immer. Nun, ehemalige Bunzkanzler können das offenbar auch nicht und einige Weggefährten dazu. Wer hätte denn gedacht, daß unser gestrenger ehemaliger Innenminister Kanther eine so kreative Buchführung pflegt? Dabei sprach er doch immer so laut von Zucht und Ordnung!

        Uns Kleinst-Kapitalisten sagt das alles wenig, mit uns würde man bei ähnlicher Sachlage wohl weniger zimperlich umspringen.

        Der Zins ist deutlich gestiegen - das hätte ich nicht erwartet -, dafür fällt der Euro, - das ist mir persönlich ziemlich egal. Meine Rente ist mit und ohne Euro nicht "sischä" - einer der Gründe für diesen Text. Das altbewährte Privatanlegermotto "im Haben lang gehen" ( = Anlagen eher etwas längerfristig wählen, Kredite aber eher etwas kürzerfristig) gilt im Moment nur sehr eingeschränkt. Ich habe mich an manchen Stellen auf das aktuelle Zinsniveau bezogen, aber nicht überall. Dort, wo die Aussage durch den aktuell niedrigeren Zins nicht wesentlich verfälscht wurde, habe ich die alten Zahlen stehengelassen. Ich müßte sonst den Text jeden Monat überarbeiten. 

        Gelegentlich erreicht mich eine Rückmeldung per E-Mail mit Anregung oder Kritik. Danke dafür; die Hinweise habe ich eingebaut.

        Nun also "V 3.0". 

        Die Änderungen  gegenüber der letzten Version habe ich dunkelgrün eingefärbt.

    1. Sicherheit, Sicherheit über alles 

        Der deutsche Anlagemichel strebt nach Sicherheit. Freilich, Ertrag darf auch sein, je mehr desto lieber.

        Aber Sicherheit ist ihm doch noch wichtiger.

        Der Bankangestellte weiß das (und agiert entsprechend): Da hat der prospektive Kunde irgendwo von einer rentierlichen Anlage gelesen, die dem "Bankbeamten" nicht so sehr schmeckt, beispielsweise deswegen, weil es für deren Verkauf kaum Provisionen gibt. 

        Zum Glück bietet die Anlage nicht die felsenfeste Sicherheit, die der Kunde für unabdingbar hält. Also runzelt der Bankangestellte seine Stirn und sagt mit ernster Stimme: "Ich verkaufe Ihnen diese Anlage gern, muß sie allerdings darauf hinweisen, daß bei der Anlage ein gewisses Risiko dabei ist...." Schon sackt Otto Normalkunden das Herz in die Hose und nur allzu willfährig läßt er sich in die vermeintlich sicherere (kann man "sicher" überhaupt steigern?) Anlage hineinreden. 

        Ich muß Dich enttäuschen: Sicherheit gibt es nicht, Du meinst nur, es gäbe sie. Nein, nein, ich will damit nicht sagen, daß Du Dich dem Kismet hingeben und alles, was da kommt, ergeben hinnehmen solltest. 

        Nichts auf dieser Welt ist sicher, darauf möchte ich Dich hinweisen. Ob Du und ich in einem Jahr noch da sind, weiß der Himmel. Das Leben ist nun einmal ein Risiko. 

        Also kommst Du nicht umhin, etwas zu tun, was viele Leute sehr, sehr ungern tun: nämlich Dir selber ein Bild machen, selber nachdenken. Wie viele Leute sind froh darüber, daß andere Leute ihnen das Denken abnehmen! Du aber solltest Dir angewöhnen, selber zu denken und Dir immer bewußt zu sein, daß wenn einer vorgibt, Dir zum Besten raten zu wollen, er vielleicht tatsächlich Dein Bestes will, Dein Geld nämlich. 

    2. Festverzinsliche Anlagen 

      a) Sparbuch 

        Von Kindertagen hat es fast jeder bei sich zu Hause liegen: das gute, alte Sparbuch. Schon Oma hat eins gehabt und ihm vertraut. Leider hat es die Oma oder Uroma immerhin zweimal in diesem Jahrhundert bitter im Stich gelassen, aber seinem guten Ruf hat es keinen Abbruch getan. 

        Du freust Dich, daß Du auch eins hast? 

        Du solltest Dich mit dem Gedanken vertraut machen, daß die Zeit des Sparbuchs vorbei ist; als Anlageinstrument ist es ziemlich schlecht. Mancher aufgeklärte Anleger hat nur deswegen noch eins (und zwar zähneknirschend), weil sein Vermieter für die Kaution davon nicht lassen will.

        Warum? 


        • Das Sparbuch erbringt einen ziemlich schlechten Zins, den niedrigsten aller Anlagen. 
        • Das Sparbuch ist nicht flexibel. Du kannst nur DM 3000 im Monat abheben, willst Du mehr, mußt Du dafür, daß die Bank oder Sparkasse Dir Dein gespartes Geld zurückgeben, auch noch Geld bezahlen, den sogenannten "Vorschußzins". 

        "Man liest aber doch überall, daß man eine "Liquiditätsreserve" von etwa 2 bis 3 Monatsgehältern vorhalten sollte, und zwar am besten auf einem Sparbuch." 

        Das mit der "Liquiditätsreserve" stimmt: Du solltest für den Fall der Fälle kurzfristig Geld mobilisieren können. Aber - warum denn zu niedrigstem Zins auf einem Sparbuch? 

        "Was soll ich denn stattdessen machen?"  

        Auf manchen Girokonten bekommst Du einen vergleichbaren Zins. Der Zins ist im letzten Jahr ordentlich gestiegen, und auf manches Girokonto gibt es wieder bis über 3% Zins [Stand  11/00], während Sparkonten immer noch fast bei 0% dümpeln. Die Dresdner Bank wirbt mit folgendem Spruch: "Sparbücher kann man sich sparen." Das kann man durchaus so sagen.

        Verschiedene Banken bieten sogenannte "Tagesgeldkonten" an, die eher mehr Zins bringen als Sparbücher, von denen Du (wenn Du das willst) von heute auf morgen einfach so das ganze Guthaben abheben kannst.

        Wenn Du Dir Bundesschatzbriefe gekauft hast (keine schlechte Idee! Davon aber später), und die zuerst gekauften liegen dort schon ein Jahr, dann kannst Du immerhin DM 10.000 pro Monat zurückbekommen, was finanzielle Engpässe überbrücken sollte. 

        Sparbücher - auch die meisten Sondertypen - sind für den Kunden ein schlechtes Geschäft. Ich habe von meinen schon lang das Geld abgeholt und die Sparbücher in die Mottenkiste gelegt. 

        Für die Banken (noch mehr für die Sparkassen) sind Sparbücher ein exzellentes Geschäft - sie bekommen viele, meist langfristige Kundengelder und müssen dafür nur minimale Zinsen zahlen. Du kannst Dir vorstellen, daß man Dir (wenn Du nachfragst) dort nicht so direkt sagen wird, daß Sparbücher schlecht für Dein Geld sind. 


        •  Sparbücher sind schlecht verzinst und unflexibel 
        • auch Sondertypen wie "Bonus-Sparbücher" oder Sparbücher mit längerer Kündigungsfrist sind nicht attraktiv 
        • die gleiche Funktion erfüllen Tagesgeldkonten und manche Girokonten wesentlich besser 
        • auch Bundesschatzbriefe können die Funktion von Sparbüchern übernehmen 

        Hinweis

        Das obige Kapitel bezieht sich im wesentlichen auf das "normale" Sparbuch, also das Sparbuch mit gesetzlicher Kündigung. Banken und Sparkassen wissen um den schlechten Ruf "des" Sparbuchs. Um diesen schlechten Ruf etwas aufzupeppen, haben sie andere, manchmal durchaus attraktive Angebote erfunden und diesen dann blumige Namen wie "Sparbuch mit Dynamik" verpaßt, so daß sie dann stolz sagen können: "Das Sparbuch ist nicht so schlecht wie sein Ruf". 

        Maßgeblich ist natürlich nicht, wie ein Produkt heißt, sondern, was drin ist. Allerdings mag so mancher Kunde durch eine mißverständliche Bezeichnung aufs falsche Gleis gelockt worden sein. 

        (Ähnlich gilt übrigens für "Produkte", die "Sparbrief" heißen, aber keine üblichen Sparbriefe sind) 

        Ein "normales" Sparbuch mit gesetzlicher Kündigungsfrist  
         

        • hat einen ausgesprochen niedrigen Zins
        • man bekommt ohne weiteres nur DM 3000 pro Monat zurück
        • wer mehr will, muß einen sogenannten Vorschußzins bezahlen, der in der Regel ein Viertel des Sparzinses beträgt. Geld dafür bezahlen, daß man sein eigenes Geld wiederbekommt!


       b) Sparbriefe 

        Sparbriefe sind festverzinsliche Wertpapiere, die Banken und Sparkassen selbst auflegen. "Festverzinslich" heißt, daß der Zins von vornherein festgelegt und Dir bekannt ist; meistens bleibt der Zinssatz gleich, manchmal steigt er über die Laufzeit an. 

        Sparbriefe laufen meist über vier bis sechs Jahre, sind nicht börsenhandelbar und unkündbar, ihr Zins entspricht dem Marktzins. Vom Zinssatz her ist ein Sparbrief keine schlechte Idee, dennoch sind Sparbriefe der Unkündbarkeit wegen meistens nicht so günstig. 

        Wie bei Sparbüchern auch, bieten verschiedene Banken für Anlagesummen ab DM 5.000 manchmal recht günstige Produkte an, denen sie auch den Namen "Sparbrief" geben (etwa "Super-Sparbrief"), hinter denen sich aber eigentlich etwas ganz anderes verbirgt (siehe Vergleich). 
         
        "Marktzins, was ist denn das?"  

        Der Marktzins ist der Zins, der aktuell auf dem Markt für eine bestimmte Anlage gezahlt wird. Er hängt von der Restlaufzeit der Anlage ab, und von der Anlagewährung, auch von der Bonität des Schuldners. 

        "Und was ist die Restlaufzeit? Warum sagst Du nicht gleich "Laufzeit"?"  

        Das macht keinen Unterschied. 

        Es ist Dir (und dem Markt), egal, ob Du ein neues Papier kaufst, das drei Jahre läuft oder ein "Gebraucht-Papier", das ursprünglich mal sechs Jahre lief, wovon drei Jahre übrig sind. 

        "Und was heißt "Bonität"?"  

        Tschulligung, aber ein paar Fachbegriffe müssen halt sein. Als Bonität bezeichnet man die Wahrscheinlichkeit, daß ein Schuldner seine Schulden zurückzahlt. Du gehst in Deiner Zuversicht davon aus, daß jeder Schuldner das Geld am Ende auch brav zurückzahlt, das ist aber beileibe nicht gewährleistet. 

        Denk' nur einmal an Freunde und Verwandte! Würdest Du jedem von ihnen einen Kredit gewähren? Man sagt allgemein, bei Geld höre die Freundschaft auf. 

        Genauso ist es bei der "großen Finanz" auch. 

        Trotz allem Gerede über die Staatsschulden darfst Du dem guten Hans Eichel vertrauen, Bundespapiere gelten als sicher (auch Profis sind dieser Ansicht), aber ob Länder wie die Ukraine ihre Schulden am Ende zurückzahlen werden? Wahrscheinlich schon, denn, wenn sie es nicht tun, gibt ihnen für alle Zukunft keiner mehr Geld. Du aber hast nichts davon, wenn die Staatspleite gerade zu der Zeit eintritt, wenn Du Papiere von diesem Staat hältst.

        Für Dich kommen erst einmal nur Schuldner mit "erstklassiger Bonität" in Frage, also Schuldner, bei denen der Markt fest davon ausgeht, daß sie die Schulden zurückzahlen. 

        Ein Schuldner mit schlechter oder fraglicher Bonität muß dem Gläubiger mehr Zinsen zahlen - klar: "Risikoprämie".

        Es gibt Listen, in denen aufgelistet ist, wie große Banken die Bonität von Schuldnern einschätzen. Die beste Bonität haben Staaten wie etwa Deutschland (!), auch Frankreich, Großbritannien und USA, etwas geringer wird die Bonität von anderen Staaten eingeschätzt wie etwa Spanien. Auf etwa gleicher Ebene rangieren erstklassige Schuldner aus der Industrie, vielleicht Coca-Cola oder Siemens.

        Ein sicherheitsbewußter Anleger sollte von der Bonität nicht darunter gehen, wenngleich Argentinien und Türkei, sowie kleinere Industrieunternehmen auch mehr Zinsen zahlen. Risikoprämie eben. Der bekannte Flugzeughersteller Fokker ist neulich 'mal pleite gegangen, seine Anleihen waren damit über Nacht wertlos. 

        Der Marktzins bezieht sich auf erstklassige Schuldner. 

        Kauf Dir eine überregionale Zeitung (z.B. die FAZ oder die Süddeutsche) und lies die Seiten, die Du bisher immer zur Seite gelegt hattest, nämlich den Wirtschaftsteil. Dort findest Du täglich eine Tabelle, in der der aktuelle Marktzins für verschiedene Restlaufzeiten täglich aktuell aufgelistet ist) 

        "Für einen Sparbrief bekomme ich doch deutlich mehr als für mein Sparbuch"  

        Stimmt. Dennoch sind er eine schlechte Anlage. Warum? Du bekommst den gleichen Zins wie bei vergleichbaren festverzinslichen Anlagen (aber nicht mehr), nimmst dafür aber die Einschränkung hin, an dieses Geld über die Laufzeit in keinem Fall verfügen zu können. 

        Dafür, daß Du das Recht abgibst, die Anlage nicht verkaufen oder liquidieren zu können, müßtest Du eigentlich mehr Zinsen bekommen. 

        Wenn dies der Fall ist, kannst Du Dir die Anlage überlegen. Man hat mir auch schon Sparbriefe über vier Jahre angeboten, die ein halbes Prozent über Marktzins erbringen sollten, darüber hätte man reden können. Man hätte mir dann das Recht, meine Anlage jederzeit verkaufen zu dürfen, mit Geld (nämlich dem Mehr-Zins) abgekauft, also wieder "Risikoprämie" 

        Wenn dieses Risiko nicht bezahlt wird, ein Sparbrief also nur den Marktzins erbringt, gibst Du das dargestellte Recht auf und bekommst nichts dafür. 

        Damit Dir das nicht in den falschen Hals gerät, muß ich klarstellen, daß Du nicht damit rechnen mußt, daß irgendeine Sparkasse oder Bank hierzulande Dir in vier Jahren Dein Geld nicht zurückgibt - das darfst Du getrost ausschließen. Deutsche Banken sind Mitglied in einem sogenannten "Einlagesicherungsfonds", das ist so eine Art Versicherung, die Sparbriefe (und bestimmte andere Wertpapiere) auch dann zurückzahlt, wenn eine Bank pleite geht.

        Wenn Du einen Sparbrief kaufst, kommst Du aber in keinem Fall vorzeitig im Notfall an Dein Geld heran. 

        Daß Dir die Sparkasse zusichert, bei akutem Geldbedarf die Papiere zu "beleihen", das heißt, Dir einen Kredit in gleicher Höhe zu geben, das ist kein Trost. Denn Du kommst dennoch nicht an Dein Geld dran und mußt für den Kredit sicher mehr bezahlen als Du für die Anlage bekommst - für Dich ist das ein Verlustgeschäft. 

        "Meine Bank bietet verschiedene Typen Sparbriefe an, nämlich  
         

        • verzinsliche Papiere 
        • abgezinste Papiere 
        • aufgezinste Papiere 
          
        Was hat es damit auf sich?"  

        :-) Bei festverzinslichen Anlagen denke ich immer gleich an die einfachste Form, die verzinsliche Anlage. Bei der kriegst Du jedes Jahr zu einem bestimmten Tag den Zins fürs ganze Jahr. 

        Bei den beiden anderen Formen kriegst Du keinen expliziten Zins, sondern Du bekommst den Zins beim Ablauf auf einen Sitz ausbezahlt. Ein solches Papier nennt man thesaurierend

        Dabei gibt es zwei Formen: 

        Entweder, Du zahlst beim Kauf weniger als den Nennwert des Papiers, am Ende der Laufzeit bekommst Du das Papier zum Nennwert zurückbezahlt, das nennt man abgezinst

        oder 

        Du zahlst beim Kauf den Nennwert des Papiers und bekommst am Ende Nennwert plus angesammelte Zinsen. Das nennt man dann aufgezinst

        Thesaurierende Papiere gibt es in vielen Formen, nicht nur bei Sparbriefen. Die korrekte Renditeberechnung ist schwierig, Du darfst aber davon ausgehen, daß die Banken die Rendite schon korrekt berechnen. Die Bank rechnet zwar im Zweifelsfall immer zu ihren Gunsten, aber der Effekt ist in Mark und Pfennig hier nicht so groß. 

        Ich halte "thesaurierende" Papiere für eher ungünstig, und zwar aus steuerlicher Hinsicht. Wie Du weißt, muß man Zinsen versteuern. Jeder hat dabei einen Steuerfreibetrag, der ab dem 1.1.2000 für Ledige DM 3100 beträgt (inklusive der Werbungskostenpauschale). Beim aktuell niedrigen Zinsniveau von etwa 5% kannst Du die Zinsen von etwa DM 60.000 verzinslichen Papieren steuerfrei einstreichen.

        Zinsen mußt Du im Jahr des Zugangs versteuern.

        Wenn Du jetzt statt jedes Jahr DM 3000 nach drei Jahren DM 9000 auf einen Satz bekommst, bist Du DM 6000 über dem Freibetrag, und der Fiskus hält die Hand eben doch auf. :-) 

        Es gibt Spezialfälle, bei denen das Verschieben von Zinseinkünften in spätere Jahre sinnvoll ist. Aber das sind eben Spezialfälle, beispielsweise dann, wenn Du kurz vor der Rente stehst oder sonst einer Situation, in der Du sicher weißt, daß Du in dem Jahr, in dem Du die Zinsen auf einmal gutgeschrieben bekommst, weniger Geld zu versteuern haben wirst.


        • Sparbriefe sind in der Regel ein schlechtes Investment, weil Du an Dein Geld vor Ende der Laufzeit nicht drankommst 
        • Der Renditevorsprung (wenn überhaupt) gegenüber anderen festverzinslichen Wertpapieren ist so gering, daß der Verlust an Flexibilität damit nicht ausgeglichen wird. 
        • Du kannst Dir ein Investment in Sparbriefe überlegen, wenn du von vornherein weißt 
          • daß Du das Geld über die Laufzeit nicht brauchst und 
          • die Rendite deutlich höher ist als bei vergleichbaren, flexiblen Anlagen (mindestens 0,5%)

      c) Festgelder

        Festgelder sind beim momentanen Zinsniveau eher nicht so günstig. 

        Gesetzt den Fall, Du hast DM 10.000 übrig, die Du jetzt nicht brauchst. In drei Monaten aber wird Dein neues Auto geliefert, dafür willst Du das Geld einsetzen. 

        Verschiedene Banken bieten für diesen Zweck "Festgelder" an. Ganz unbürokratisch wird Dein Geld auf beispielsweise 30 oder 90 Tage festgelegt. Du bekommst dafür momentan allerdings auch nicht mehr oder nicht viel mehr Zinsen als für ein Tagesgeldkonto

        Wenn Du wirklich genau weißt, daß Du das Geld in dieser Zeit garantiert nicht brauchst und auch weißt, daß Du es nach Ablauf der Zeit sicher ausgeben wirst, dann kannst Du ein Festgeld abschließen. Aber Vorsicht! Wenn Du das Geld nicht abrufst, verlängert sich das Festgeld um den gleichen Zeitraum zu den dann aktuellen Konditionen.

        Ein Tagesgeldkonto ist momentan besser.

        Warum? Weil Du bei ihm täglich an Dein Geld kommst, während Du bei einem Festgeld eine gewisse Zeitlang nicht an Dein Geld kommst. Wenn ein Festgeld mehr Zinsen bringt als ein Tagesgeldkonto, wenn Du das Risiko als hinreichend bezahlt erachtest - mag ein Festgeld günstig sein. 

        Ich sage nicht, daß Festgeld an sich ein ungünstiges Investment wäre, ich sage, daß der Zinsunterschied aktuell so niedrig ist (wenn überhaupt), daß sich die Festlegung nicht lohnt. 

        Übrigens: Wenn Du nur ein einziges Mal eine Summe wie DM 10.000 für 30 Tage festlegen willst, solltest Du Dir Gedanken machen, wieviel Aufwand Du dafür treiben willst. 
         

        Das letzte Zehntel Zins...

        Mein ganz normales Girokonto bringt 2%; das beste Tagesgeldkonto bringt aktuell 5% (5.11.00) Zugegeben, das ist schon eine Differenz. Bei einer Anlagedauer von 30 Tagen erbringt das Girokonto bei einer Anlagesumme von DM 10.000 DM 16,67 Zinsen, das Tagesgeldkonto nominal DM 41,67, also DM 25 mehr. Nach schlechter Gepflogenheit mag das Geld in beide Richtungen allerdings einige Tage unterwegs sein (das heißt, es "verschwindet" am Montag vom einen Konto und "erscheint" erst am Donnerstag auf dem anderen Konto. Jeder "Wandertag" kostet etwa DM 1,39 an Zinsen. Ein purer Rechnungstrick übrigens - im Zeitalter der Datenverarbeitung kann das Geld sekundenschnell von hier nach Honolulu sausen, die Geldinstitute "schneiden" auf diese Weise Zinsen.

        Ok, für DM 10.000 und mindestens einen Monat mache ich das schon beim ersten Mal - vor allem, wenn ich weiß, daß ich in Zukunft öfter mal mindestens vierstellige Summen länger "herumliegen" habe. Und wer bereits ein Tagesgeldkonto hat (was man ja - siehe oben - sollte), ist die Schwelle natürlich niedriger.

        Ich will dennoch mit diesem Abschnitt sagen, daß Du nicht nur die Prozente vergleichen sollst, sondern dazu die Geldbeträge ausrechnen und dazu die Spesen nicht vergessen. Es kann sein, daß unter dem Strich nur ein paar Mark herauskommen. Ich jedenfalls überlege mir dann, ob ich für DM 20 mehr Zins ein neues Konto aufmache.

        Wenn Dein Girokonto weniger bringt (und Du keine Angst vor Telefon- oder Online-Banking hast) halte ich ein Tagesgeldkonto für eine gute Idee.

        Übrigens: Manche Banken schütten eine Prämie für einen neuen Kunden aus. Wenn Dich ein Kollege wirbt, kriegt der ggf. bis zu DM 100 dafür. Für zwei Pizzen und mäßig Rotwein für zwei müßte das reichen :-).


        • Festgelder sind relativ unflexibel, der Zinsunterschied zu täglich abzurufenden Anlagen ist momentan zu gering. 
        • für Deine Liquiditätsreserve oder wenn Du öfter mittelgroße Beträge für einige Wochen "herumliegen" hast, ist ein Tagesgeldkonto eine gute Idee. 

      d) Bundesschatzbriefe 

        Bundesschatzbriefe sind für Dich als (nehme ich 'mal an) sicherheitsbewußtem Kleinanleger eine prima Idee. 

        Warum? 
         

        • Es gibt sie schon ab DM 100, Du kannst also schon kleine Summen sparen, auch per Dauerauftrag
        • neuerdings gibt es sie über DM 100 in beliebiger Stückelung, also beispielsweise für DM 127,83.
        • Du kannst sie spesenfrei bei der Bundesschuldenverwaltung verwalten lassen 
        • Sie haben einen ordentlichen Zins, der mit den Jahren steigt, und zwar so, daß Du für alle Anlagedauern eine faire Rendite bekommst. 
        • Du trägst kein Kursrisiko, hast dafür aber auch keine Kurschance 
        • Du kannst sie in manierlichen Größen von DM 10.000 pro Monat jederzeit zurückgeben (nach einer Sperrfrist von einem Jahr). 
         
        Bundesschatzbriefe kann man also empfehlen. 

        Noch'n Tip: 

        Wenn Dein Vermieter mitmacht (und ein verständiger Vermieter sollte das), kannst Du auch Deine Mietkaution in Bundesschatzbriefen anlegen. Bei der Bundesschuldenverwaltung gibt's ein Formblatt dafür. Das kannst Du Dir rechtzeitig besorgen, es hilft Dir eventuell bei der Argumentation mit Deinem Vermieter. 

        Bitte Maß und Ziel beachten: DM 2000 auf einem Sparbuch bringen im Jahr DM 20 an Zinsen, DM 2000 in Bundesschatzbriefen bringen etwa DM 70 pro Jahr - wenn Dein Vermieter der Sache nicht traut, sind DM 50 Differenz (monatlich DM 4) kein Grund, Streit zu suchen. 

        Du gehst also zur Bank, hebst von Deinem Sparbuch DM 2000 ab und sagst dem Angestellten, daß Du dafür Bundesschatzbriefe kaufen willst. Der Angestellte macht daraufhin ein Gesicht, als hätte er auf eine Zitrone gebissen. Schnell holt er das aktuelle Sparbriefangebot seiner Bank aus der Schublade und preist Dir das an. Du prüfst es sorgfältig und findest einen Haken daran (Unkündbare Festlegung, beispielsweise, oder einen zu niedrigen Zins), also bleibst Du standhaft und willst immer noch Bundesschatzbriefe kaufen. 

        Bundesschatzbriefe sind eine der Anlagen, die Bankangestellte Dir ausgesprochen ungern verkaufen, weil sie sehr wenig Provisionen bringen. Leider kann er Dich nicht mit Sicherheitsargumenten davon weglocken, weil Hans Eichel trotz alledem ein Mensch von einwandfreier Bonität ist.

        Wenn er also seufzend das tut, wozu er eigentlich verpflichtet ist, (ahem - war) kramt er ein Formular hervor "Eröffnung eines Schuldbuchkontos bei der Bundesschuldenverwaltung", und einen Kaufantrag für Bundesschatzbriefe. 

        Nochmal mauert der Bankangestellte - ob Du nicht vielleicht doch ein hauseigenes Produkt....? Ob Du nicht wenigstens die Papiere in ein Depot seiner Bank oder Sparkasse legen willst, statt sie bei der Bundesschuldenverwaltung kostenfrei verwalten zu lassen? 

        Klar, daß der Mensch nicht will, daß Du mit seiner Hilfe Geld anderswo anlegst. Verstehen kannst Du das sicher. Aber Du willst Dein Geld lieber selber, also läßt Du Dich nicht abbringen.

        Bisher warenBanken und Sparkassen (mit Ausnahme der Postbank) verpflichtet, Dir Bundesschatzbriefe (und andere Bundeswertpapiere) spesenfrei zu verkaufen (wenn sie neu aufgelegt sind, aber das werden sie laufend) und sie für Dich genauso spesenfrei zur Bundesschuldenverwaltung zu übertragen.

        Nun - in Zeiten von FAX und Internet besteht diese Verpflichtung nicht mehr. Manche manchen es noch - das ist für Dich als Anleger einfacher und bequemer, aber sie müssen es eben nicht mehr.

        Also heißt es für Dich: Rechner anwerfen, ein Besuch im Internet und bei www.bundesschuldenverwaltung.de nachgeschaut. Die notwendigen Formulare kannst Du von dort herunterladen und Du kannst die aktuellen Konditionen nachlesen. Wenn Du einmal ein Depot hast, kannst Du Bundespapiere ganz einfach per Überweisung kaufen.

        Wenn Du hartnäckig bleibst, vielleicht gar zur nächsten Bank gehst, kommst Du schon zum Ziel. Zumindest bei der nächsten Landeszentralbank hilft man Dir - und die ist nicht so weit weg, wie Du denkst.

        Von Bundesschatzbriefen bekommst Du im ersten Jahr einen Zins, der dem Marktzins für eine einjährige Anlage entspricht. Im zweiten Jahr bekommst Du einen höheren Zins; wenn Du den Zinsertrag für das erste und das zweite Jahr addierst, bekommst Du einen solchen Zins, als wenn Du damals eine zweijährige Anlage gekauft hättest, für die folgenden Jahre ist die Rechnung ähnlich. 

        Ganz finanzmathematisch korrekt ist die Rechnung nicht, wenn Du einfach den Durchschnittszins als arithmetisches Mittel ausrechnest (Zahlen zusammenzählen und durch ihre Anzahl teilen), aber sie stimmt von der Größenordnung und sie gibt einen guten Anhalt. 

        (Bei dieser und allen folgenden Rechnungen lasse ich den Zinseszinseffekt weg und stelle keine Überlegungen zur Wiederanlage von Zinsen an, sonst wird das zu kompliziert) 

        Ich sehe eine einzige Einschränkung beim Kauf von Bundesschatzbriefen: Laß Dein Depot nicht allzu prall werden, weil Du pro Monat nur DM 10.000 davon abziehen kannst. Unter Paaren hilft es, wenn sowohl Du als auch Dein Partner ein Depot eröffnen, und ihr dann wechselseitig einzahlt, dann sind es immerhin DM 20.000 pro Monat, die ihr zurückholen könnt. 

        In maximal drei Monaten, so meine ich, solltest Du über alles Geld verfügen können, besser früher. Wenn Du mehr Geld gespart hast, solltest Du andere Instrumente einsetzen.

        Unter diesem Aspekt kann es doch eine Überlegung wert sein, Bundesschatzbriefe beim Depot der Hausbank zu hinterlegen. "Gebrauchte" Bundesschatzbriefe zum Nennwert zu kaufen, ist für den Käufer ein gutes Geschäft (warum das so ist - siehe Kapitel "Kurschance und Kursrisiko"). Mit Sicherheit kauft man Dir gern mehr als DM 10.000 im Monat im Monat ab, wenn es denn buchungstechnisch zu machen ist - und von Depot zu Depot der Hausbank geht das halt einfacher als über die Bundesschuldenverwaltung.

        Bundesschatzbriefe gibt es in zwei Varianten: 

        a) eine ausschüttende Variante - Du kriegst jedes Jahr Geld 

        b) eine thesaurierende Variante - alle Zinsen gibt's beim Verkauf auf einen Schlag 

        Die thesaurierende Variante läuft ein Jahr länger - und gibt Dir deshalb eine minimal bessere Rendite. Wie Du ja schon weißt, finde ich thesaurierende Anlagen allgemein nicht so günstig. 

        "Ich habe mir Bundesschatzbriefe gekauft und habe statt Zinsen zu bekommen sogar Zinsen bezahlen müssen" 

        Keine Panik, wird nicht so viel gewesen sein. 

        Du hast Papiere, die zum 1.6.1998 aufgelegt worden sind, am 15.6.1998 gekauft. Am 1.6.1999 wirst Du Zinsen für ein ganzes Jahr bekommen, obwohl Du das Papier nicht ein ganzes Jahr gehalten hast. Du mußt daher dem Vorbesitzer (wem auch immer), die Zinsen für den Teil des Jahres erstatten, für den er noch keine Zinsen bekommen hat. In Beispiel betrifft dies den Zeitraum vom 1.6. bis zum 15.6. (ohne, daß ich mich jetzt in die genaue Berechnung der Anzahl der Tage verlieren möchte). 

        Man nennt diese Zinsen Stückzinsen - im vorliegenden Fall mußt Du sie bezahlen (und kannst sie als "negative Einnahmen" gegebenenfalls bei Deiner Steuererklärung geltend machen), wenn Du die Papiere vor dem Zinstermin (1.6. jedes Jahres) zurückgibst, bekommst Du anteilig Stückzinsen mit ausbezahlt (z.B. für 4 Monate), die Zinsen werden also immer taggenau richtig verrechnet. Wenn Du Stückzinsen einnimmst, rechnen die bei der Steuererklärung in dem betreffenden Jahr natürlich als Einnahmen. 

        Bundesschatzbriefe werden jeden Monat neu aufgelegt, also mußtest Du maximal für einen Monat Zinsen vorschießen. 

        "Und was hat es mit dem Kurs auf sich?" 

        Das ist hier zu kompliziert, das kommt in einem eigenen Kapitel "Kurschance und Kursrisiko"

        Dort steht übrigens auch, warum das Angebot, Bundesschatzbriefe (nach einem Jahr Wartezeit) in neuere Serien umtauschen zu dürfen, für Dich als Anleger in der Regel keine gute Idee ist.


      e) andere festverzinsliche Wertpapiere 

      e1) in DM oder Euro

        Wenn Du oder ich Geld brauchen, gehen wir zu einer Bank (die nach Mark Twain eine Institution ist, die Geld an Leute verleiht, die nachweisen können, daß sie es eigentlich gar nicht brauchen - kleiner Scherz). 

        Eine große Firma, eine Stadt, ein Land oder ein Staat macht das anders. Die drucken "Wertpapiere" (die korrekt betrachtet Schuldscheine sind) und verkaufen die dann an der Börse. 

        Die meisten Papiere haben eine feste Laufzeit ("Die Stadt Hannover verpflichtet sich, am 1.1.2005 für dieses Papier DM 10.000 zurückzuzahlen") und versprechen einen festen Zins von beispielsweise 5% jährlich. 

        Einen Schuldschein einer Kommune, also einer Gemeinde, nennt man Kommunalobligation.

        Früher einmal wurde derlei Wertpapiere ausschließlich auf Papier gedruckt (ähnlich wie ein Geldschein) und bestanden aus dem eigentlichen Papier (Mantel ) und den Zinsscheinen (Coupons oder Bogen) auf einem separaten Blatt. Jedes Jahr zum Zinstermin schnitt man den passenden Zinsschein ab (frz. "couper" = schneiden) und reichte den bei seiner Bank ein, die den Wert auszahlte.

        Heutzutage sind viele Wertpapiere kein "Papier" mehr, sondern eine Zahl im Computer, die Begriffe aber sind geblieben. Immer noch sagt man statt "Zinssatz" "Coupon" ("Das Papier hat einen Coupon von 5%").

        Papiere dieser Art (man nennt sie auch "Renten", "festverzinsliche Anleihen" oder einfach "Anleihen") gibt es meist in Stückelungen von DM 1000 aufwärts, manche auch erst ab DM 5000.

        Auch hier hat die Bundesschuldenverwaltung wieder ein Herz für den Kleinanleger: Bundesobligationen, kurz BObls genannt, gibt es ab 110 € (also etwa 200 DM), sie laufen 5 Jahre, momentan (am 5.11.00) bringen sie 5% Zins bei 5 Jahren Laufzeit, das ist ganz vernünftig.

        Auch Pfandbriefe sind keine schlechte Idee. Als Sicherheit steht dahinter eine Immobilie, anders gesagt, leihst Du mit einem Pfandbrief jemandem anderen Geld zum Bauen. Pfandbriefe bringen in der Regel ein kleines bißchen mehr Rendite als andere festverzinsliche Wertpapiere, sie sind börsenhandelbar (Du kannst sie also vor Laufzeitende verkaufen), meist aber nicht ganz so liquide wie andere Renten (was Du nicht überbewerten solltest).
         
        Das Auf und Ab der Zinsen

        Der Zinssatz für Soll und Haben ändert sich nach den wirtschaftlichen Gegebenheiten. Manchmal bekommst Du einen hohen Zins für Dein Geld (oder zahlst viel für Dein Hypothekendarlehen), manchmal bekommst (oder zahlst Du wenig).

        Wenn Du vor allem Deine Ruhe haben möchtest, kümmerst Du Dich nicht um die Veränderung der Zinsen. Du kaufst ein Papier mit einem bestimmten Zinssatz, was nach einer gewissen Zeit fällig wird (sagen wir 'mal 5 Jahre). Du hältst es diese 5 Jahre und bist mit Deinem Zins zufrieden. Nach Ablauf der Zeit erhältst Du es zu 100% zurück und Du weißt von vornherein, wieviel Zinsen Du kriegst. Das mag nicht die renditeträchtigste Vorgehensweise sein - aber viele konservative Anleger haben es ja gern, wenn sie sich möglichst wenig Gedanken machen müssen. Miese machst Du so sicher nicht. (Die meisten Privatanleger machen das übrigens so, sie halten Renten bis zum Zeitpunkt der Fälligkeit).

        Du kannst mit einer etwas anderen Strategie mit den gleichen Papieren Deine Rendite erhöhen. Wie das geht, erkläre ich im Kapitel Kurschance und Kursrisiko - und zwar separat, weil manche Leute von solchem Teufelszeug überhaupt nichts wissen wollen.
         


        • festverzinsliche Wertpapiere (erstklassiger Schuldner) in DM und € sind für Dich eine sichere Sache.
        • Du kannst jederzeit an Dein Geld. Vor dem Handel an der Börse solltest Du keine Angst haben. 
        • Wenn Du nicht sicher das Geld zu einem bestimmten Termin brauchst, kaufe ein Papier, das länger läuft, als Du zunächst gedacht hattest (zum Beispiel  2 Jahre länger), Du bekommst höheren Zins dafür und zusätzlich eine Kurschance (die normalerweise größer ist als das Kursrisiko). 

      e2) festverzinsliche Wertpapier in anderen Währungen 

        Der Einfachkeit halber habe ich im letzten Kapitel stillschweigend vorausgesetzt, daß Dein Wertpapier auf "DM" lautet. Gleichartige Wertpapiere gibt es in vielen Ländern der Erde, sie können auf die eigene Währung lauten oder auf eine fremde. 

        Du legst erst einmal auf Sicherheit wert und kaufst Dir erstmal Papiere, die auf DM lauten oder  € natürlich, was mittlerweile das gleiche ist).

        Damit kommen Schatzanweisungen Ihrer Majestät der Queen für Dich nicht in Betracht :-), denn die werden wohl in der Regel auf Pfund lauten. 

        Für ein Wertpapier in anderer Währung gilt das oben gesagte in gleicher Weise; die Überlegungen zur Änderung des Zinsniveaus, beispielsweise (Ich habe versucht darzulegen, daß das für Dich mehr Chance ist als Risiko, wenn Du die Laufzeit nicht zu lang wählst). 

        Bei Papieren in anderer Währung kommt das Währungsrisiko hinzu. Eine fremde Währung kann zur DM in der Zeit mehr oder weniger wert werden. 

        Steigt beispielsweise der Dollar (und Du hast auf Dollar lautende Papiere), dann steigt Dein Papier natürlich im Wert, fällt der Dollar, fällt Dein Papier im Wert. 

        Währungen werden von der Finanzwelt auch eingeschätzt: Bei "großen" Währungen wie Dollar, Euro, Pfund, Schweizer Franken, Yen, DM, Französischer Franc geht man davon aus, daß sie ihren Wert zueinander eher langsam ändern (wenn überhaupt) und nicht um große Prozentsätze. 

        Keiner erwartet, daß der Dollar im Verhältnis zur Mark in einem Jahr doppelt so hoch steht wie jetzt oder nur halb so hoch. Bei "weichen" Währungen wie dem südafrikanischen Rand kann das schon passieren. 

        Dennoch bringt eine Anlage in anderer Währung eine zusätzliche Unsicherheit mit sich, die dem Deutschen stets als Risiko erscheint, die in Wirklichkeit natürlich sowohl Risiko als auch Chance ist. 

        Einschätzungen und Überlegungen zur Währungsparität (dem Verhältnis der Währungen zueinander) sind meines Erachtens aber etwas für Fortgeschrittene - und ich will daher mich hier nicht weiter darüber ausbreiten. Also: 


        • für den Unerfahrenen erstmal keine festverzinslichen Wertpapiere in fremden Währungen, so verlockend der Zins auch erscheinen mag. 

      f) Fonds 

        Der Deutsche läßt in Gelddingen gern denken. 

        Er verläßt sich gern auf den "Bankbeamten" (siehe oben), und hätte am liebsten einen, der ihm die Entscheidung abnimmt, einen "Profi" natürlich. 

        Für diese Leute gibt es "Fonds". Ein Fonds ist ein großes Depot von Wertpapieren der unterschiedlichsten Art, das von einem "Fondsmanager" verwaltet wird. Der kauft und verkauft Papiere mit dem Ziel, den Ertrag für den Anleger zu maximieren. 

        Der Begriff "Fonds" ist in den Köpfen der Leute ziemlich unpräzise, und das ist für den Anleger schlecht. 

        Um eine Vorstellung zu bekommen, mußt Du ganz genau hinschauen, welche Art Papiere der Fonds enthält (bzw. enthalten darf). Für jeden Fonds gibt es einen Prospekt, auf dem das genau verzeichnet ist. 

        Es gibt Aktienfonds (welche die höchste Ertragsaussicht bieten, aber auch das höchste Risiko), gemischte Fonds, die Aktien und Renten enthalten (mit geringerer Ertragsaussicht und geringerem Risiko) und Rentenfonds (mit noch geringerer Ertragsaussicht und noch geringerem Risiko). 

        Ein unaufmerksamer Anleger läßt sich hier natürlich leicht auf die falsche Fährte locken - so nach dem Motto: Fonds ist Fonds. 

        Da wird die schöne Performance (Kursgewinn) des Aktienfonds vom letzten Jahr auf die ganze Fonds-Familie übertragen, der Anleger träumt schon von 50% Gewinn pro Jahr mit deutschen Renten, traut sich natürlich nicht zu fragen - und schon ist der lahme Ackergaul als schnelles Rennpferd verkauft. Nach einem Jahr ist dann klar, daß Ackergaul eben doch Ackergaul ist. 

        (Deutsche Renten bringen momentan in der Größenordnung von 5% Zins pro Jahr, der DAX ist in den beiden letzten Jahren etwa 50% gestiegen, Aktien hatten also gegenüber Renten etwa den 10fachen Wertzuwachs - das kann und wird so aber nicht lang bleiben!)

        Wenn wir bei Rentenfonds bleiben (dieser Text behandelt ja nur festverzinsliche Anlagen), so stellt der Fondsmanager im Grunde bei seinen Transaktionen (Käufen und Verkäufen) die gleichen Überlegungen an wie oben dargelegt. Ein "deutscher" Rentenfonds enthält nur deutsche Renten, ein internationaler Rentenfonds enthält auch oder nur internationale Renten auf DM oder auf andere Währungen. 

        Chance und Risiko eines Fonds mit 50% amerikanischen Renten auf Dollarbasis und 50% deutschen Renten auf DM-Basis ist natürlich nicht groß verschieden von Chance und Risiko Deines Depots, das die gleiche Mischung als Direktanlage enthält. 

        Wer auf Nummer sicher gehen wollte, wählt einen deutschen Rentenfonds und trifft damit eine schlechte Wahl. Warum? 

        Wenn Du den Fonds kaufst, mußt Du erstmal einen Ausgabeaufschlag bezahlen. Das ist ein schönes Wort für Vertriebsprovision. Ausgabeaufschläge sind mit vielleicht 2-3% deutlich höher als die Spesen beim Direktkauf eines Wertpapiers (0-0,5%), von daher ist der Verkauf von Fonds für den Bankangestellten deutlich attraktiver als der Verkauf von Renten oder gar Bundesschatzbriefen. 

        Im Moment des Kaufs sind von Deinem Geld schon einmal 3% weg, die Du erst einmal wieder hereinholen mußt. 

        Die Fondsgesellschaft kassiert für ihre Mühe im Jahr eine "Verwaltungsgebühr" von vielleicht 0,5-0,75%. Auch die muß erst einmal aus dem Zins bezahlt werden. 

        Willst Du Dich bei 3 Jahren Haltedauer nicht schlechter stellen als bei einem Direktinvestment, muß der Fonds pro Jahr einen höheren Ertrag erwirtschaften als ein Direktinvestment, und zwar um 1% (für die Vertriebsprovision) plus 0,75% (für die Verwaltungskosten) mehr. 

        Diese 1,5 bis 1,75% mehr gibt der Markt momentan nicht her. Nur ganz gewitzte (das heißt: wenige) Fondsmanager schaffen es, den Markt um so viel zu schlagen, daß Du trotz Spesen in der Summe ein Geschäft machst. 

        Bankangestellte pflegen die Spesen gern schönzurechnen: da wird die Vertriebsprovision auf 10 Jahre verteilt ("Ein Fonds soll ein Langzeitinvestment sein"), und Dir dann ein Fonds verkauft, der vorwiegend in Renten mit 3 Jahren Restlaufzeit investiert. Das geht natürlich so eigentlich nicht. 

        Die Zinsen sind in den letzten Jahren gefallen. Entsprechend sind Anleihekurse gestiegen, also auch die Fondskurse. Man wird Dir stolz die Ergebnisse der letzten Jahre präsentieren, aber nicht dazu sagen, daß ein guter Teil der Rendite Kursgewinne durch fallende Zinsen waren. Wenn die Zinsen vielleicht auch weiter fallen werden - viel weiter werden sie nicht mehr fallen können. 

        Jedes Jahr erstellen Verbraucherorganisationen Listen, in denen die "Performance" (der Wertgewinn) von Rentenfonds mit banalen, auch vom Anfänger leicht handzuhabenden Bundesschatzbriefen verglichen werden. 

        In der Regel liegen etwa 80% der Fonds unter den Bundesschatzbriefen - und die Depotkosten werden dabei noch nicht einmal berücksichtigt. 

        Von der Systematik her ist ein "Eintrittsgeld" garnicht 'mal so schlecht (wenn es denn nicht direkt in die Tasche der Vertriebsperson wanderte), denn langfristige Investments sind normalerweise günstiger als kurzfristige. 

        Den "Kurzfristanleger" (modern "Trader" genannt), der aufgrund häufigerer Transaktionen mehr Spesen bezahlt und daher als Kunde beliebt ist, hält eine zu hohe Vertriebsprovision vom "Traden" (häufigen Handeln) ab. Für diesen Kundenkreis hat man daher einen sogenannten "Geldmarktfonds" geschaffen - ohne "Ausgabeaufschlag" (die Provision wird intern verrechnet), dafür aber mit höheren jährlichen Verwaltungskosten. 

        Für die Rentabilität gilt das gleiche wie oben gesagt - einfache, von jedem Laien zu handhabende festverzinsliche Investments rentieren sich besser, in der Regel schlägt ein Tagesgeldkonto einen Geldmarktfonds . 


        • Rentenfonds sind meistens eine ungünstige Wahl. 
        • Geldmarktfonds sind momentan auch nicht attraktiv 

      g) Sonderformen

        sind für Anfänger nichts - und daher ist hier Schluß

        ... dachte ich, doch der Markt hat mich überholt.

        Der Zins schien vor einem Jahr erbärmlich niedrig (er war es eigentlich nicht, da die Inflation sehr niedrig war), da fragte man den Bankangestellten, ob er denn nichts höher Verzinsliches anzubieten hätte.

        "Klar", sagte er, "da habe ich etwas für Sie" (und er sagt es immer noch).
         

      "Aktienanleihen" 

        Er zeigt Dir eine Liste, auf der so etwas zu stehen scheint wie Industrieanleihen - und Dir gehen die Augen über, denn dort steht 12% Zins! Pro Jahr!

        Fast zu schön, um wahr zu sein.
        Wahr ist das, aber nicht schön.

        "Warum denn?"

        "There is no free lunch" heißt es im Finanzwesen - auf deutsch heißt das: Alles hat seinen Preis.

        Was da auf der Liste steht, sind keine Renten, die Papiere sehen nur so aus. Wenn Du genauer hinschaust, steht da nämlich etwa so etwas:

        "Diese Anleihe ist mit den Aktien der Firma XY verbunden. Notieren diese Aktien am Einlösungstag in 2 Jahren unter dem Stand von 100 Euro, behält sich der Emittent vor, statt einem Barbetrag eine entsprechende Anzahl Aktien auszuliefern."

        Der Emittent (die Bank) kann natürlich rechnen. Wenn die Aktien am Einlösungstag weniger kosten als der Nennwert der Anleihe, kriegst Du  Aktien zurück - und kein Geld. Du kannst die Aktien natürlich verkaufen, hast aber im Endeffekt weniger als Du eingesetzt hast, also einen Verlust gemacht.

        Ich habe natürlich überhaupt nichts gegen Aktien - ganz im Gegenteil. Wenn ich aber Aktien kaufen will, kaufe ich Aktien, und nicht ein Papier, was auf den ersten Blick aussieht wie eine Rente - und wenn die dann gesunken sind, habe ich plötzlich Aktien im Depot.

        "Na ja", sagst Du, "nehmen wir einmal an, diese Aktien sinken 5% unter den angegebenen Kurs. Dann habe ich doch immer noch ein Geschäft gemacht. Dieses Jahr 12% Zins, nächstes Jahr 12% Zins, sind 24%, da kann ich den Kursrückgang um 5% doch verschmerzen".

        Mag ja sein, bitte bedenke aber, daß Du die 12% Zinsen versteuerst, den folgenden Verlust wohl meist nicht von der Steuer absetzen kannst. Außerdem: Wer garantiert Dir, daß die Aktien nur 5% tiefer stehen als der Referenzkurs? Es könnten doch auch 30% sein.

        Ohne mich jetzt in nähere Erläuterungen zu stürzen:

        Laß Du, der Du als konservativer Anleger die Finger von Aktien lassen willst, auch die Finger von solchen "Aktienanleihen". Sie bergen mehr Risiko, als Du ahnst.

         


      Vergleich zwischen einem Bundesschatzbrief und einem Bankangebot

        Ich habe dargestellt, warum ich für Bundesschatzbriefe für den Kleinanleger für ein geradezu ideales Anlageinstrument halte: 
         
        • sehr kleine Stückelung ab DM 100
        • kaum Spesen
        • leicht handzuhaben
        • vernünftiger Zins
         
        Die Geschmäcker sind allerdings verschieden und nicht jeder teilt meine Meinung.

        Verschiedene Banken haben ähnliche Angebote gebaut, die in Einzelfällen vielleicht sogar ein bißchen besser sind. Dennoch bleibe ich bei meiner Einschätzung, wenn auch der Zins eines Bundesschatzbriefes in den ersten beiden Jahren nicht berühmt ist (und es nie war). 
        Dieses Angebot gibt es so oder ähnlich bei verschiedenen Banken mit meist folgenden Bedingungen 
         

        • Mindestanlage DM 3.000
        • 3 Monate Kündigungsfrist
        • verzinslich oder thesaurierend
        • bei unterjähriger Kündigung Verzinsung nach dem Zinssatz des Vorjahres

        In aller Regel bieten Anlagen von Banken ein ganz kleines bißchen mehr an Rendite als Bundesschätzchen. Der Grund dafür ist naheliegend: Die Bank möchte das Geld eines Kunden, der sein Geld vom Sparbuch auf eine besser verzinsliche Anlage umsetzen möchte, gern im eigenen Haus behalten.

        Dennoch halte ich diese Angebote nicht für grundsätzlich besser, und zwar aus folgenden Gründen: 
         

        • man muß Recherche treiben, um sie zu finden
        • die Mindestanlage ist für regelmäßiges Sparen zu hoch
        • eine neue Bankverbindung aufzubauen, kostet Spesen
        • der Zinsgewinn ist gering
         
        Wer Recherche für sein Geld treibt und für den der Renditevorteil wirklich gravierend ist, der hat meist so viel Geld, daß grundsätzlich andere Instrumente sinnvoll sind (normale festverzinsliche, beispielsweise). Auch Bundesschatzbriefe werden ziemlich schnell unhandlich (dann nämlich, wenn man sie nicht mehr in wenigen Monaten liquidieren kann). 

        Beispielrechnung: 

        Ein Anleger legt DM 10.000 an und läßt sich das Geld in 3,5 Jahren wieder auszahlen. Bei einem Alternativangebot kassiert er insgesamt 1% mehr Zinsen als beim Bundesschatzbrief, das sind DM 100 in vier Jahren. 

        Das lohnt sich dann, wenn die Hausbank das Angebot macht. Meines Erachtens lohnt sich das nicht bei einer fremden Bank - aber das muß jeder selber wissen. 

        Und für die regelmäßige monatliche Sparrate von DM 100 geht das Alternativangebot nicht.


    Kurschance und Kursrisiko
     
        Die Börse schätzt den Wert der Papiere ein und handelt diese zu ihrem Wert. Der Wert kann dem Nennwert entsprechen, er kann höher oder tiefer liegen. 

        Der Fachmann sagt zum Preis eines Wertpapiers "Kurs". Wie allgemein an den Börsen schwanken Kurse täglich, die Kurse für festverzinsliche Wertpapiere schwanken allerdings viel weniger als Aktienkurse. 

        Die Zinsen ändern sich jeden Tag (meist wenig), entsprechend ändern sich die Kurse der Wertpapiere (auch meist wenig). 

        Um Dir das zu erklären, muß ich etwas weiter ausholen. 

        Am "Rentenmarkt" (also dort, wo festverzinsliche Wertpapiere gehandelt werden) bestimmen Angebot und Nachfrage die Preise - das ist hier kein Deut anders als an anderen Märkten. 

        In der Regel bekommst Du einen höheren Zins, wenn Du Dein Geld länger festlegst, also eine Rente kaufst, die länger läuft. 

        In großen Zeitungen findest Du jeden Tag eine Tabelle, in der der Zins gegen die Zeit aufgetragen ist, wo Du also den Zins für einjährige und zweijährige Anleihen findest - bis hin zu 10jährigen. 

        Du kannst (und solltest einmal zur Übung) Dir aus diesen Werten ein Schaubild zeichnen. Nimm Karopapier und zeichne ein Koordinatensystem. Auf der x-Achse schreibst Du die Restlaufzeiten von 1 bis 10 Jahren, auf die y-Achse trägst Du die Zinssätze ein (momentan - am 15.07.98 3,9% für ein einjähriges Papier, 4,98% für ein 10jähriges Papier). Verbinde die eingezeichneten Werte; Du bekommst eine Kurve, die Renditestrukturkurve. In der Regel steigt die von kurzen zu langen (Rest-)Laufzeiten an, man nennt dies eine "normale Renditestrukturkurve". Wenn die Zinsen sehr hoch sind (bei uns in Deutschland wären 10% ein hoher Zins), kann ausnahmsweise 'mal der Zins für kurzfristige Anleihen höher sein als für längerfristige. Man nennt das dann eine inverse Renditestrukturkurve

        Ob nun ein dreijähriges Papier neu auf den Markt kommt und einen Coupon (Zinssatz) von 4,5% hat, oder ob ein ursprünglich mal 5jähriges Papier gehandelt wird, das 6% Coupon hat und noch drei Jahre Restlaufzeit, das ist dem Markt egal.

        Drei Jahre sind drei Jahre. 

        Natürlich verkaufst Du das höherverzinsliche Papier nicht zum gleichen Preis.

        Wenn einer das "neue" Papier kauft, bekommt er in den nächsten drei Jahren drei mal 4,5% Zinsen (also insgesamt 13,5%), wenn er Dein Papier kauft, bekommt er drei mal 6% Zinsen (also insgesamt 18%).

        Diese 4,5% mehr schenkst Du ihn natürlich nicht; Du verlangst stattdessen einen höheren Preis (Kurs) für Dein Papier, nämlich 104,5% statt 100%. 

        Das funktioniert tatsächlich so; der Rentenmarkt in Deutschland ist sehr liquide (= hoher Umschlag) und auch effizient (= die Preise sind fair). Du kannst festverzinsliche Papiere täglich zu fairem Kurs kaufen und verkaufen. Du brauchst Dir keine Gedanken darum zu machen, ob Du tatsächlich einen Käufer findest. 

        Vor Jahren hat mir einmal ein Bankangestellter mit Leichenbittermiene gesagt: "Wenn Sie diese Papiere wollen, müssen wir sie ja an der Börse verkaufen". Ein Schauder lief mir über den Rücken - so war es ja beabsichtigt. Börse heißt für viele: Man verkauft in der Not und wird schlimm über den Tisch gezogen. Das ist natürlich Humbug, die Börse ist nicht das Spielkasino, das manche Leute in ihr sehen - Du kriegst einen fairen Preis, dafür sorgt schon die Börsenaufsicht. 

        Ob das Papier das Haus verläßt, ist übrigens die Frage. Vielleicht übernimmt die Bank das Papier direkt in ihren eigenen Bestand - auch das ist für Dich kein Problem, davon merkst Du nicht einmal etwas. 

        Der einzige Wermutstropfen sind die Bankspesen von etwa 0,5%. Um beim genannten Beispiel zu bleiben, wirst Du netto für Dein Papier nicht 104,5% erlösen, sondern nach Spesen nur 104%. 

        Die Kurse von festverzinslichen Wertpapieren schwanken etwas; wenn am folgenden Tag das Zinsniveau ein zehntel Prozent niedriger ist, schreibt Herr Eichel auf sein 5jähriges Papier nicht etwa 0,1% weniger Zinssatz drauf, sondern er erhöht den Kaufpreis (=Ausgabekurs) um 0,5%.

        Zinsen schwanken nur ganz wenig. Eine Zinsänderung von 0,1% ist schon eine ganze Menge. Die meisten Zinsänderungen finden im Bereich von Hundertstel Prozenten statt. Der Profi nennt diese Größenordnung "Basispunkt". Ändert sich der Zins also von 5,90% auf 6,00%, dann ist das eine Zinsänderung von 10 Basispunkten. 

        Soweit klar? Gut. 

        Jetzt kann ich Dir erklären, was "Kursrisiko" und was "Kurschance" bedeutet. 

        Angenommen, Du kaufst heute ein 5jähriges Papier mit 5% Coupon zu 100%. An sich willst Du Dein Geld nur für 3 Jahre festlegen, eine 3jährige Anlage würde momentan 4,5% bringen. 

        (Die Zahlen entsprechen nicht der aktuellen Zinslandschaft, ich habe sie der besseren Übersichtlichkeit wegen zurechtgebogen) 

        In der Zukunft können die Zinsen 
         

       
      I. Die Zinsen bleiben gleich 
       
        Zunächst sei angenommen, daß sich in den nächsten drei Jahren das Zinsniveau nicht ändert. 

        Nach drei Jahren hast Du also drei mal 5% Zins bekommen und noch eine Anleihe mit 2 Jahren Restlaufzeit. 

        Hättest Du damals das dreijährige Papier genommen, so hättest Du drei mal 4,5% Zins bekommen und das Papier wäre jetzt zu 100% zurückgezahlt worden. 

        Ahem. Sorry. Die Bank beißt natürlich für die Einlösung nochmal 0,25% für sich ab, also DM 25 für ein Papier von DM 10000. 

        Mit dem 5jährigen Papier hast Du also bis jetzt 1,5% mehr Zins bekommen (wie oben dargestellt - ohne Zinseszins), und hast jetzt noch ein Papier mit 2 Jahren Restlaufzeit. 

        Ein neues zweijähriges Papier hat einen Coupon von 4,25%; Dein Papier hat aber einen Coupon von 5%. Du wirst mit diesem Papier noch zweimal 0,75% Zins mehr bekommen als mit einem neuen Papier. Also wird Dein Papier mit einem Kurs von 101,5% gehandelt werden. Wenn Du es verkaufst, realisierst Du davon (nach Bankspesen!) 1,25% mehr als das zu 99,75% eingelöste Papier; hast gewissermaßen nachträglich eine "Zinsverbesserung" von 0,42% pro Jahr für die drei Jahre erhalten, die Du das Papier gehalten hast. 

        Du hast über drei Jahre also einen Renditevorsprung von 1,5% (mehr Zins) + 1,25% (Kursverbesserung) = 2,75% erhalten. 
         

      II. Die Zinsen sinken 
       
        Nun sei angenommen (bei sonst gleicher Voraussetzung), daß sich das Zinsniveau in den kommenden Jahren erniedrigt. Das ist momentan zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber ausgeschlossen ist es nicht. Der Zins für ein 2jähriges Papier sei nach diesen drei Jahren auf 3,5% gesunken. 

        Auf das gerade ausgelaufene 3jährige Papier hat das keinen Einfluß - es ist fällig geworden und zu 99,75% (Bankspesen!) zurückgezahlt worden. 

        Das ehemals 5jährige hat immer noch 2 Jahre Restlaufzeit und in diesen beiden Jahren jeweils 1,5% höheren Zins als ein "neues" 2jähriges. Sein Kurs wird daher bei 103% liegen, abzüglich Bankspesen bleiben Dir also 2,75%; entsprechend einer rechnerischen "Zinsverbesserung" von 0,92% pro Jahr 

        Du hast über drei Jahre also einen Renditevorsprung von 1,5% (mehr Zins) + 2,75% (Kursverbesserung) = 4,25% erhalten. 

        Sinken die Zinsen, steigen die Kurse festverzinslicher Anleihen. 

        Wenn Du vor Fälligkeit verkaufst, erhältst Du eine bessere Rendite als beim Kauf erkennbar war. 

        Dies ist die Kurschance
         

      III. Die Zinsen steigen 
       
        Freilich kann sich der Zins auch erhöhen. 

        Daher sei nun angenommen, daß sich der Zins um 1% erhöht auf 5,25% für ein 2jähriges Papier. 

        Nun hat Dein 5jähriges aber nur einen Coupon von 5%, der Käufer hat daher einen Zinsnachteil von 0,5% für die letzten beiden Jahre. Er wird Dir daher nur 99,5% des Nennwerts geben wollen. 

        Noch immer hast Du kein schlechtes Geschäft gemacht, denn Du hast über die ersten drei Jahre ja insgesamt 1,5% mehr Zins eingenommen. Selbst, wenn Du das Papier verkaufst (0,5% Bankspesen gegenüber 0,25% bei der Einlösung), hast Du per Saldo noch 0,75% mehr eingenommen als Du mit dem 3jährigen Papier eingenommen hättest. 

        Bei den oben angenommenen Bedingungen machst Du noch keinen Verlust, wenn der Zins für 2jährige Papiere um insgesamt 1,37% steigt. 

        Steigt der Zins für 2jährige aber mehr als um 1,37%, beispielsweise um 2%, so machst Du ein schlechtes Geschäft; hättest Du damals die 3jährige Anleihe gekauft, so würdest Du nun um 1,25% besser liegen. Du kannst natürlich einmal schlucken, das 5jährige Papier bis zur Endfälligkeit halten (damit sparst Du zweimal Bankspesen - Verkauf der 5jährigen, Kauf der 2jährigen Rente) - und liegst im Resultat noch einmal 1% besser, hast also insgesamt (nach Spesen) nur 0,25% Verlust gemacht. 

        Zu Deinen Gunsten hinzu kommt ein zweiter Effekt: 

        Nur wenige Leute brauchen ihr Geld genau zu einem bestimmten Termin wieder. Wenn Du dazugehörst und Dir beim Kauf des Papiers nur vage eine Laufzeit von 3 Jahren vorstellst, könnte es durchaus sein, daß Du Dein Geld in 3 Jahren noch gar nicht brauchst und dann ganz froh bist, daß Dein Papier noch 2 Jahre länger läuft, Du Dir also über die Wiederanlage keine Gedanken machen mußt. Außerdem sparst Du Spesen. 

        "Meine Bank berechnet mir beim Kauf aber die 0,5% überhaupt nicht" 

        :-) Bist Du Dir sicher? 

        Laß Dir doch einfach mal ein Angebot machen. Du wirst ein DIN-A4- Blatt bekommen mit verschiedenen Renten drauf, den Zinsen, den Laufzeiten und den aktuellen Kursen. Wenn Du diese mit den Zahlen im Wirtschaftsteil vergleichst, wirst Du feststellen, daß die Bank Dir die Papiere ziemlich genau 0,5% teurer verkauft als sie in der Zeitung stehen. Das ist der Anteil der Bank. Auch bei der Einlösung will die Bank übrigens wieder Geld von Dir, meist etwa 0,25%. 

        Steigen die Zinsen, fallen die Kurse festverzinslicher Anleihen. 

        Wenn Du vor Fälligkeit verkaufst, erhältst Du grundsätzlich eine schlechtere Rendite als beim Kauf erkennbar war. 

        Dies ist das Kursrisiko

        Zu Deinen Gunsten wirkt sich aber aus, daß längerlaufende Anleihen normalerweise einen höheren Zinssatz haben als kürzere, durch die Haltedauer aus Deinem ehemals längerlaufenden Papier ein kürzerlaufendes geworden ist. 

        Der Zins muß schon ziemlich steigen, damit Du ins Minus gerätst. 

        Anhand des gesagten kannst Du Dir leicht ausrechnen, daß der genannte Effekt umso deutlicher ist, je steiler die Renditestrukturkurve ist, also je größer der Zinsunterschied zwischen kurz- und langlaufenden Anleihen ist. Weiterhin ist der Effekt von Zinsänderungen auf die Kurse um so größer, je größer die Restlaufzeit einer Anleihe ist.

        Momentan ist die Renditestrukturkurve flach wie ein Brett, es besteht praktisch kein Renditeunterschied zwischen einer zweijährigen Anleihe und einer zehnjährigen, ja selbst die dreißigjährige Anleihe, die es seit einiger Zeit auch bei uns gibt, liegt kaum höher.

        Für einen Privatanleger ist es im allgemeinen sinnvoll, etwas "länger" zu gehen, als er ursprünglich wollte. Zur Zeit allerdings erscheint mir persönlich allenfalls eine kurzfristige Festlegung gerechtfertigt.

        Nun weißt Du übrigens auch, warum ich bei den Bundesschatzbriefen geschrieben habe: "Keine Kurschance". 

        Bundesschatzbriefe kannst Du immer zu 100% zurückgeben, auch wenn sie nur noch ein Jahr laufen und Du in diesem Jahr 7% Zins bekommen würdest (wo eine 1jährige Anlage nur 3,5% bringt). Wenn Du den Bundesschatzbrief zurückgibst, freut Hans Eichel sich; wenn Du den eben doch in Deiner Hausbank hast verwahren lassen, könnte man Dich freundlich fragen, ob Du damit einverstanden bist, den Bundesschatzbrief statt zurückzugeben nicht vielleicht auf einen anderen überschreiben wolltest. Man wird Dich mit Stückzins und Kapital nicht übervorteilen, aber der Käufer freut sich, daß er ein 1jähriges Papier mit einem Coupon von 7% zu nur 100% hat kaufen können.

        Wenn Du kannst, halte Bundesschatzbriefe bis zur Endfälligkeit. Wenn Du's nicht tust, verschenkst Du Rendite.

        Man liest immer wieder, daß Du bei Zinssteigerungen Bundesschatzbriefe gegen neuere Serien umtauschen kannst. Das ist zu den meisten Zeiten aber wirtschaftlich unrealistisch.

        Wenn Du einen Bundesschatzbrief im zweiten Jahr zurückgibst (wo er nach aktuellen Daten 4,5% bringt) und gegen einen neu herausgegebenen tauschst, dann muß der neue im ersten Jahr 4,75% bringen - das heißt: das Zinsniveau muß um immerhin einen Prozentpunkt gestiegen sein - danach sieht es momentan nicht aus.

        Ahem - räusper - Im letzten Jahr um die gleiche Zeit habe ich das auch so geschrieben (mit damals aktuellen Zahlen von 3,25% fürs erste und 3,25% fürs zweite Jahr). Der Zins ist gestiegen, um mehr als einen Prozentpunkt. Hätte jemand also im letzten Jahr BuSchas gekauft, würde sich aktuell das Tauschen also lohnen.

        Außerdem kannst Du wiederum ein Jahr nicht an Dein Geld.

        Das wiederum stimmt noch.

        Zu späterer Zeit ist die Lage für Dich ungünstiger, der bereits laufende Bundesschatzbrief bringt viel mehr Zins als ein neuer; es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß das Zinsniveau so steigt, daß sich das für Dich lohnt.


      

    "und was ist mit der Steuer?" 

      a) Zinserträge   

        Zinserträge sind steuerpflichtig, und damit Du das nicht vergißt, steht dieser Satz unter jeder Zinsgutschrift im Kontoauszug.

        Das Steuerrecht sieht einen Sparerfreibetrag von DM 3000 vor (Ledige - ab 2000). Bis zu diesem Betrag mußt Du Deine Zinsen nicht versteuern. Nimmst Du mehr Zinsen ein, mußt Du die ersten DM 3000 nicht versteuern.

        Dazu gibt es eine "Werbungskostenpauschale für Kapitaleinkünfte" von DM 100. Auch die wird von Deinen Zinsen abgezogen, bevor der Fiskus zufaßt. Wenn Du mehr Werbungskosten aus Deinen Kapitalerträgen hattest, kannst Du natürlich die höhere Summe ansetzen (Belege!). Das ist wie bei Deinem Einkommen aus abhängiger Beschäftigung auch.

        Der Vereinfachung wegen kannst Du Deiner Bank einen Freistellungsauftrag erteilen. Das ist ein Schriftstück, mit dem Du die Bank anweist, keine Kapitalertragsteuer von Deinen Zinsen abzuführen. Du kriegst dann Deine Zinsen ohne Abzug ausbezahlt.

        Mit diesem Freistellungsauftrag kannst Du Zinsen bis zum obengenannten Betrag von DM 3000 + DM 100 von Steuerabzug freistellen lassen.

        Du kannst die Summe von DM 3100 auch auf mehrere Banken aufteilen, alle Freistellungsaufträge zusammen dürfen die Summe aber nicht überschreiten.

        Hierbei zu mogeln bringt es nicht. Sei ehrlich bei Deiner Steuererklärung, wenn Du irrtümlich zu viel Zinsen hast freistellen lassen, und korrigiere dann Deine Freistellungsanträge umgehend.

        Was nach Abzug von Sparerfreibetrag und Werbungskosten von Deinen Zinsen übrigbleibt, wird ganz normal zu Deinem sonstigen  Einkommen addiert und dann wie alles andere mit dem Steuersatz versteuert, der zu dieser Einkommenshöhe gehört.

        Immer wieder wird gefragt: "Zu welchem Steuersatz muß ich denn meine Zinsen versteuern?"  Wie erläutert, gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort, keine bestimmte Prozentzahl.

        Steuerlich ist es egal, ob Du DM 100 mehr als Zinsen einnimmst oder durch Überstunden: Der Steuersatz richtet sich nach dem "zu versteuernden Einkommen". Wenn Du viel verdienst, aus welchen Quellen auch immer zahlst Du einen hohen Prozentsatz Steuer, wenn Du wenig verdienst, zahlst Du einen niedrigen Prozentsatz Steuer.

        Ein kleiner Trost: von den Zinsen mußt Du keine Sozialbeiträge abführen. (Noch. Da kommt bestimmt auch noch einer drauf.)
         
        (Weiter unten kommt  noch eine Beispielrechnung.)
         

      b) Spekulationsgewinne 

        Ein konservativer Anleger wie Du spekuliert nicht. Also ist der folgende Abschnitt für Dich eigentlich überflüssig. Ich habe ihn dennoch aufgenommen, weil viele Leute immer wieder danach fragen, ob und unter welchen Bedingungen der Fiskus seinen Teil abhaben will.

        Spekulation ist, wenn Du ein Papier weniger als ein Jahr hältst. Das kommt bei konservativen Anlegern eher selten vor.

        (Auf steuerdeutsch heißen Spekulationsgewinne nunmehr Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften, das ist das gleiche mit anderem Etikett. Ich bleibe beim alten Ausdruck, weil er kürzer ist.)

        Wie oben dargestellt, haben viele Wertpapiere einen "Kurs", der in Prozenten angegeben wird. Wenn Du ein Wertpapier zwischen Kauf und Verkauf (oder Fälligkeit) weniger als ein Jahr besitzt, mußt Du (selbst! Nicht die Bank!) die Differenz ausrechnen, die sich aus (Verkaufskurs - Kaufkurs) X Nennwert ergibt.

        Hast Du mehrere Geschäfte getätigt, bei denen Du die Papiere weniger als ein Jahr gehalten hast, machst Du für jedes Geschäft die gleiche Rechnung und addierst die Beträge. Du magst nicht bei jedem derartigen Geschäft einen Gewinn gemacht haben - bei manchen magst Du auch einen Verlust eingefahren haben. Dann wird die Differenz negativ, auch diese "addierst" Du - und wenn man etwas Negatives addiert, entspricht das mathematisch einer Subtraktion.

        Schließlich kommst Du auf die Summe aller Spekulationsgewinne und -verluste.

        Beträgt diese weniger als DM 1000 (bei Ledigen) , dann bist Du aus dem Schneider, dann ist der Betrag steuerfrei.

        Ergibt sich aber ein Betrag von DM 1000 oder mehr, mußt Du diesen Betrag dem Finanzamt melden - und der Fiskus will seinen Teil.

        Die DM 1000 sind kein Freibetrag, der vom Ertrag abgezogen wird, sondern eine sogenannte Freigrenze - wenn Du nur einen Pfennig drüber bist, wird gleich alles steuerpflichtig.

        Weil's gar so kompliziert ist, hier ein Beispiel:

        Du hast am 1.12.1998 ein Papier mit Nennwert DM 20.000 gekauft.
        Der Kupon (= Zinssatz) beträgt 6%, Zinstermin war der 1.11. Der Kurswert betrug 95%.

        Für das Papier mußtest Du bei Kauf DM 19100 bezahlen, nämlich
        DM 19.000 für das Wertpapier (95% X 20.000) und
        DM 100  "Stückzinsen" für den einen Monat (6% X 1/12 [ein Monat] X 20.000).

        Diese DM 100 konntest Du bei der Steuererklärung für 1998 von den Zinsen abziehen, Du hast diese Stückzinsen ja nicht eingenommen, sondern bezahlt. "Negative Einkünfte" nennt das Finanzamt so etwas.

        Nun, am 1.11.1999 ist das Papier ist das Papier zur Rückzahlung fällig.

        Du bekommst DM 21.200, nämlich 
        DM 20.000 für das Papier und dazu 
        DM 1.200 Zinsen.

        Was die Steuer dazu sagt?

        Die Steuer sagt:
        In der Steuererklärung für 1999 sind

        a) DM 1.200 Zinsen zu versteuern (bzw. auf den Freibetrag anzurechnen)
        b) DM 1.000 Spekulationsgewinn zu versteuern.

        Ach! Wenn es doch nur ein einziger Pfennig weniger gewesen wäre.
        Dann wäre der Spekulationsgewinn komplett steuerfrei gewesen!

        Ach! Hätte ich das Papier nicht am 1.12. gekauft, sondern schon am 31.10.! Dann hätte ich das Papier über ein Jahr gehabt und es wäre steuerlich ganz egal gewesen, wieviel Kursgewinn ich damit gemacht hätte!

        Wenn Spekulationsgewinne anzurechnen sind, werden die wie die Zinsen zu Deinem sonstigen Einkommen addiert, und dann mit dem Steuersatz versteuert, der für dieses Einkommen angesetzt wird. Wer wenig verdient, zahlt einen niedrigen Steuersatz, wer viel verdient, zahlt einen hohen Steuersatz.

        "und was ist mit der Spekulationssteuer?"

        Die gibt es nicht. Bestimmte Spekulationsgewinne müssen versteuert werden, sie unterliegen der Einkommensteuer.

        "Aber eine Kapitalertragsteuer gibt es doch"

        Ja. Aber das ist eine Hilfskonstruktion. Die Kapitalertragsteuer ist eine Steuervorauszahlung.

        Allzuviele Anleger haben früher vergessen, in ihren Steuererklärungen Zinserträge einzutragen. Der Staat hat gemerkt, daß von den Zinsen, die er als Schuldner zahlt, sich nur ein geringer Teil in den Steuererklärungen wiederfindet.

        Also hat er per Gesetz die Banken angewiesen, gleich einmal einen gewissen Teil der Zinserträge (meist 30%) als Vorauszahlung einzubehalten. Die Steuer hat er schon einmal, der Steuersatz ist so gewählt, daß er "schon ganz gut hinkommt", Ausgleichsbeträge (Erstattungen / Nachzahlungen) sind auf diese Weise gering.
         
        Du gibst in der Steuererklärung dann an, wieviel Zinsen Du bekommen hast (und zwar den Bruttobetrag, also den Betrag vor Abzug der Kapitalertragsteuer!), und wieviel Kapitalertragsteuer davon bereits abgeführt ist. Das alles bescheinigt Dir Deine Bank - denn wir sind schließlich eine Scheindemokratie. Du brauchst für alles einen Schein.

        "Das verstehe ich nicht." 

        Kann ich verstehen :-). Das ist schließlich kompliziert.
         

      Also noch ein Beispiel:

        Du hast DM 1000 an Zinsen bekommen. Das heißt - Du hättest sie bekommen sollen; auf Deinem Konto findest Du nämlich eine Gutbuchung über nur DM 700. 

        DM 300 (= 30%) davon hat die Bank nämlich gleich einbehalten und ans Finanzamt geschickt. Du kannst so überhaupt nicht vergessen, die Zinsen zu versteuern.

        30% Steuersatz kommt bei den meisten "Stpfl" (=Steuerpflichtige - so heißt der Mensch beim Finanzamt) ganz gut hin, dennoch eben nicht ganz, und daher mußt Du die Zinsen trotzdem bei der Steuererklärung angeben. Wenn Dein Steuersatz höher liegt, mußt Du nämlich nachzahlen - liegt Dein Steuersatz am Ende niedriger als 30%, bekommst Du Geld zurück. 

        Von der Bank kriegst Du einen Schein, auf dem sinngemäß folgendes steht: 

           
          Zinsen (brutto) DM 1000
          KapSt DM 300
           
         
        Auf Deiner Lohnsteuerkarte stehen am Jahresende DM 50.000 und eine Lohnsteuer von meinetwegen DM 10.000.

        Bei einer anderen Bank hast Du DM 3.100 an Zinsen eingenommen (damit der Freibetrag uns nicht in die Quere kommt).

        Dann rechnet das Finanzamt so: 

           
          Lohn auf Lohnsteuerkarte DM 50.000
          Zinsen  DM 4.100
          ./. Sparer-Freibetrag DM 3.100
          zusammen DM 51.000
          Darauf Steuer  DM 10.250 (*)
             
          Steuerabzug vom Lohn DM 10.000
          Bereits bezahlte KapSt DM 300
          zusammen DM 10.300
             
          Ausgleich (siehe *) DM 50 für Dich
           
          
        Die Rechnung ist vereinfacht (ohne SoLZ und KiSt) und die Zahlen sind fiktiv (die Steuersätze stimmen nicht). Ist halt nur ein Beispiel - dies ist ja auch in erster Linie ein Text über festverzinsliche Wertpapiere und nicht über Steuer. 
         
        Für zusammenveranlagte Verheiratete gelten jeweils die doppelten Freibeträge / Freigrenzen. 
         
      Kursgewinne sind erfreulich 
         
        Dieser Text geht um Renten, und die (ich habe davon geschrieben) kaufen die meisten Privatanleger zu einem bestimmten Kurs und halten sie dann bis zur Endfälligkeit. Dann werden sie zu 100% zurückgezahlt.

        Jedes Jahr streicht der Anleger seine Zinsen ein und versteuert sie wie oben beschrieben.

        Ein kleines Bonbon ergibt sich aus dem Kaufkurs. Kauft man eine Rente nämlich unter 100% ein (der Fachmann sagt unter pari), beispielsweise zu 96%, so schiebt der Anleger ganz nebenbei noch einen Kursgewinn ein (hier 4%) - und der ist steuerfrei, wenn das Papier länger als 12 Monate gehalten wurde.

        Für den Anleger ist natürlich Geld Geld, egal, ob das, was er kriegt "Zins" heißt oder anders.

        Wenn Du weißt, daß Du die Zinsen versteuern mußt (weil Du mehr Zinsen als den Freibetrag bekommst), dann fährst Du mit einem 4jährigen Papier zu 4% Zins und 96% Kurs besser als mit einem 4jährigen Papier zu 5%, das Du zu 100% kaufst, weil Du im ersten Fall weniger Steuern bezahlst.

        Der Markt weiß das natürlich auch. Anleihen unter pari bieten daher meist ein ganz kleines bißchen weniger Rendite, meist lohnt es sich aber für Dich doch.

        Wenn das so ist - sagst Du Dir - könnte man ja ein Papier konstruieren, das gar keinen Zins ausschüttet, was dann halt zu entsprechend billigem Kurs verkauft wird.

        Stimmt, könnte man, tut man auch. Die Dinger heißen Nullkuponanleihen oder Zerobonds . Der Finanzminister hat den Trick aber erkannt und will in diesem Fall eben doch Steuer haben. Zerobonds sind ein Spezialfall, auf den ich hier nicht weiter eingehe. Vielleicht in der nächsten Überarbeitung?

      

    Das habe ich zum Thema gern gelesen

        Kursbuch Geld - Hintergründe und Tips für kritische Bankkunden 
        Udo Perina  
        Fischer Taschenbuch  
        © 1999 
        ISBN 3-596-14085-4 
        DM 19.90 

        Wer besser als der Autor selbst könnte sein Buch vorstellen?
        Im Vorwort steht:

        "Das »Kursbuch Geld« richtet sich an kritische Verbraucher, die auf der Suche nach vernünftigen Lösungen für ihre Finanzprobleme sind, den Angeboten der Banken, Versicherungen und Bausparkassen aber skeptisch gegenüberstehen. Es versteht sich als aktueller Ratgeber zu Fragen von Geldanlage, Kredit, Altersvorsorge, Immobilien, Steuern, Versicherungen und informiert aus der Sicht des Kunden über den sich ständig verändernden Markt der Finanzdienstleistungen, über seine Chancen, die Risiken und Fallstricke. Im Gegensatz zu vielen anderen Geld-Ratgebern werden keine Empfehlungen zur Maximierung der finanziellen Rendite gegeben. Ziel des Kursbuchs ist es vielmehr, dem Verbraucher durch fundierte Information einen bewußteren Umgang mit Geld zu ermöglichen und seine Position bei Verhandlungen mit Finanzdienstleistern zu stärken." 

        In seinem Buch stellt Udo Perina Finanzinstrumente vor festverzinsliche, Aktien, Fonds; ein Kapitel berichtet über "alternative Finanzgeschäfte, ein anderes über Schulden.

        Mir gefällt die lockere, leichtverständliche Art der Darstellung. Diese augenzwinkernde, manchmal etwas selbstironische Art unterscheidet sich wohltuend von der sauertöpfischen Besserwisserei, die sich in Finanzbüchern sonst gern findet.

        Selbst für Leute, die sachlich all das schon wissen, was in dem Büchlein steht, ist es eine ersprießliche Bettlektüre.
         

        Stiftung Warentest 
        Handbuch Geldanlage 
        © 1994 
        ISBN 3-924286-88-4 
        DM 49 

        Das Buch der Stiftung Warentest ist umfassender als das oben genannte.
        Es geht auch auf Immobilien ein und Lebensversicherungen und erzählt vom Golde, nach dem nach Goethe doch alles dränge.

        Man kann es gut lesen, wenngleich es deutlich dröger geschrieben ist als das "Kursbuch Geld". Auch zum schnellen Nachschlagen ist es praktisch.

        Mir persönlich mißfällt die Überbetonung des Wohneigentums für die Vermögensbildung, ich vertrete bekanntlich eine andere Auffassung.

        Mittlerweile gibt es eine Neuauflage in etwas anderer Aufmachung (und mit DM 59 teurer). Ich halte das Buch für lesenswert; und bin im Gegensatz zu Stimmen in der Newsgroup auch nicht der Auffassung, daß DM 49 (oder DM 59) für gute und sachliche Information zu teuer ist. Meine Erfahrung ist, daß wer an der Information spart, am Ende in Finanzdingen ziemlich draufzahlt.

        Wer sparen will, kann es sich ja erst einmal in der Bibliothek ausleihen.
         


    Wo finde ich Information über aktuelle Konditionen?

        Tja, das ist nicht ganz so einfach. :-)
         
      • Internet 

      • Am liebsten wäre mir, ich fände alles Wissenswerte im Internet, aber so wohlfeil, wie es immer heißt, sind Informationen auch im Internet nicht. Es wird zwar immer farbenprächtiger - aber nicht informativer.

        Die Banken stellen auf ihren Seiten ihre Produkte zwar vor, aber für die "aktuellen Konditionen" möchte man den Kunden dann doch gern in der Filiale sehen. Bevor man die Konditionen nenne, möchte man gern mehr über mich erfahren, teilte mir eine Bank auf eine konkrete Anfrage mit.

        Das möchte ich aber nicht, wenns ein faires Angebot ist, kann man die Bedingungen sicher auch ohne vorherige Kundenanalyse nennen.

        Bei Direktbanken ist es etwas besser, die Konditionen der Tagesgeldkonten beispielsweise lassen sich per Internet abfragen.

        Die Bundesschuldenverwaltung ist da schon deutlich gesprächiger. Die Konditionen sind transparent aufgelistet, wenngleich nicht erkennbar ist, warum man die paar Zeilen Text als .PDF hat realisieren müssen.

        Wer englisch kann und schon länger im Internet liest, kennt die Adresse bestimmt: "The Motley Fool". Der "Fool" ist der Hofnarr vergangener Zeiten, der als einziger dem König widersprechen durfte, ohne gleich seinen Hals zu riskieren. Man findet auf dieser Seite eine ganze Reihe von kritischer Finanzinformation, recht aktienlastig zwar, aber auch für einen Rentenanleger findet sich eine Menge Lesenswertes.

        Seit kurzem gibt es eine deutsche Filiale des Finanz-Hofnarren.

         

      • Tageszeitung 

      • Das aktuelle Zinsniveau für Renten verschiedener Laufzeiten und Kurse von Rentenpapieren findet sich mittlerweile in vielen Tageszeitungen. Allerdings  muß man die Angaben, welche die Renten betreffen, unter den vielen Aktienkursen oftmals suchen. Man bekommt dadurch einen Eindruck vom Zinsniveau und davon, ob es beispielsweise Renten gibt, die unter pari notieren (siehe Kursgewinne)
        Kaufen wird man meistens eben doch über die Hausbank, und die bietet in der Regel eben nur eine Handvoll Papiere aus dem eigenen Bestand an. 
         
      • Börsenzeitschrift

      • Verschiedene Börsenzeitschriften (z.B. "Börse-online" oder "Das Wertpapier" oder viele andere) bieten meist in der Heftmitte einen Statistikteil, aus dem sich auch Daten zu Zinsen und Renten finden. "Das Wertpapier" stellt im redaktionellen Teil regelmäßig Listen der besten Zinsangebote zusammen. 

        Ansonsten sollte gerade ein konservativer Anleger den redaktionellen Teil mit der gebotenen Zurückhaltung lesen - Börsenredakteure sind notorische Optimisten.

        Ein Werbespot(t) einer Direktbank bringt es auf den Punkt:
        "Wenn Ihr Bankberater wirklich so gut ist - warum muß der eigentlich noch arbeiten?"

        Er müßte doch nur seine eigenen todsicheren Tips beherzigen und könnte sich dann bar jeder finanzieller Sorgen einen erquicklichen Lebensabend in der Karibik machen.

         

      • Videotext
      • Unter dem Titel "so viel Geld bringt Geld" gibt es sonntags eine ähnliche Liste im Videotext von SAT1.

         


     

     

  • Ausgabeaufschlag 
  • Aktienanleihen
  • Bankbeamter 
  • Bonität 
  • Coupon 
  • Freistellungsauftrag
  • Kapitalertragsteuer
  • Liquiditätsreserve 
  • Marktzins 
  •  

    Glossar

  • Mietkaution
  • Produkte
  • Prozentpunkte 
  • Renten
  • Renditestrukturkurve
  • Sparerfreibetrag
  • "Spekulationssteuer"
  • Steuer
  • Stückzinsen 
  •  

     

  • Stückelung
  • Tagesgeldkonto
  • Vorschußzins 
  • abgezinst 
  • aufgezinst 
  • festverzinslich
  • thesaurierend
  • verzinslich 
  • Zinsbesteuerung

    • Was ist denn ein Bankbeamter?   

      Der Begriff Bankbeamter stammt aus grauer Vorzeit und gehört in die Mottenkiste. Er suggeriert eine unbestechliche, unabhängige und übergeordnete Position, die ein Angestellter einer Bank natürlich nicht bekleidet. Bankangestellte sind nämlich nicht dem Gemeinwohl verpflichtet (wie das ein Beamter eigentlich sein sollte), sondern als Angestellte ihres Arbeitgeber dessen Umsatz und Gewinn. Das ist kein bißchen anders wie bei allen anderen Angestellten.   

      Ich halte es für ungerecht, dem Bankangestellten abzusprechen, das zu tun, was seiner Bank (und vielleicht auch ihm selbst) finanziellen Vorteil bringt - das tut jeder Berufstätige in irgendwelcher Weise auch - aber es sollte im Rahmen bleiben. Und Du als Kunde darfst nie vergessen, daß Dich der Angestellte der Bank nicht aus Menschenfreundlichkeit berät, sondern deswegen, weil das seiner Bank und somit auch ihm Gewinn bringt.   

      Wenn Du's doch vergißt oder sonstwie nicht beachtest, mußt Du's in der Regel aus Deinem Geldbeutel bezahlen. 


      Was heißt denn "liquide"?   

      Liquide heißt schlicht: flüssig. Schon die Römer meinten offenbar, daß der, der Geld hat, flüssig sei.   

      Liquidität heißt entsprechend: flüssiges Geld, das man ausgeben oder anlegen kann.   

      Als Liquiditätsreserve bezeichnet man Geld, was man leicht verfügbar hält, damit man es schnell einsetzen kann. Wenn von heute auf morgen beispielsweise eine neue Waschmaschine her muß oder ein neuer Kotflügel.   

      Es gibt noch eine zweite, ähnliche Bedeutung des Wortes "liquide". Man bezeichnet einen Markt als liquide, wenn reger Handel herrscht, also viele Geschäfte abgeschlossen werden. Sowohl ein Käufer als auch ein Verkäufer findet auf einem liquiden Markt schnell und zu fairem Preis einen Partner.   

      Das Gegenteil von liquide ist illiquide.


      "Was ist ein Tagesgeldkonto?"

      Ein Tagesgeldkonto ist für uns Kleinst-Kapitalisten ein etwas eingeschränktes Girokonto, man kann meist nur Geld auf das Konto überweisen und Geld vom Konto auf ein bestimmtes, vorher angegebenes Girokonto (Dein ganz normales Girokonto) zurücküberweisen.

      Verschiedene Banken, vor allem "Direktbanken" (z.B. Entrium, BMW-Bank, VW-Bank) bieten solche Konten an, die augenblicklich (5.11.00) etwa 3,5% Zinsen bringen - und das bei täglicher Verfügbarkeit.

      Noch deutlich bessere Zinsen (5.11.00: etwa 5%) bieten verschiedene türkische Banken (Finansbank, Demir-Halk-Bank, UCBI) und eine "reine Internetbank" (first-e). Die Banken sind (nicht überraschend) von der Resonanz überrollt worden, eine Kontoeröffnung dauert etwa vier Wochen. Diese Banken sind meist Mitglied im niederländischen Einlagesicherungsfonds, und der sichert Kundengelder im Konkursfall zu 100% bis zu 20.000 € pro Person, das ist - bis zu dieser Summe - sogar eine bessere Sicherung als der deutsche Einlagensicherungsfonds, der nur 80% der Einlage abdeckt. Wer mehr Geld auf dem Tagesgeldkonto hat, kann ja seine Einlage auf mehrere Banken verteilen. Die Konditionen sind im einzelnen etwas unterschiedlich (die Finansbank z.B. zahlt "gute" Zinsen erst ab 10.000 DM).

      Für Anfänger hat ein solches Konto einen kleinen Wermutstropfen - die entsprechende Bank ist meist nicht am Ort, man muß das Tagesgeldkonto also per Telefonbanking führen, per Internet oder meinethalben per Fax oder Post. Wer damit noch keine Erfahrung hat, für den mag dies vielleicht eine gewisse Hürde darstellen.

      Wer diesen Text im Internet liest, :-) für den dürfte das nicht gar zu schwierig sein.

      In der Regel werden diese Konten gebührenfrei geführt - aber Vorsicht! Manche Banken sind nur über "Servicerufnummern" zu erreichen. Der Service besteht darin, daß ein Anruf bei diesen Nummern ganz wesentlich teurer ist als ein "normales" Telefonat in den Zeiten der Vor-Vorwahlen.

      0180-3 beispielsweise kostet 18 Pf pro Minute, das ist doppelt so teuer wie ein Telefonat nach Los Angeles. Ein "normales" Ferngespräch kostet untertags etwa die Hälfte, abends etwa ein Viertel davon. Von den Kommunikationskosten her günstiger als Telefonbanking ist ein Kontakt per FAX (was zumindest zum Senden wohl jeder Modembesitzer hat), aber nicht jede Bank nimmt Aufträge per FAX an. - und für 18 Pfennig kann man schon fast 10 Minuten surfen.

      Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, daß Bankmitarbeiter unter "Tagesgeld" etwas anderes verstehen als oben erläutert, nämlich ein Konto mit nennenswerter Einlage (allermindestens 6stellig), für das auf täglicher Basis der Zins neu festgesetzt wird. So viel Geld dümpelt bei mir nicht als Barreserve herum - und beim durchschnittlichen Leser wohl auch nicht - daher habe ich in obigem Text durchgängig die "Kleine-Leute"-Definition verwendet.


      "Wie war das eigentlich noch mit den "Prozentpunkten" und den "Prozenten"?    

      Ach - schauderhaft.   

      Wenn man mit Prozenten rechnet, sollte immer klar sein, worauf sich die Angabe bezieht - und das geht wild durcheinander.   

      Angenommen, Du hast die Auswahl zwischen zwei Papieren. Das eine hat einen Coupon (Zinssatz) von 3%, das andere einen von 6%. Bezogen auf das Kapital bringt das eine Papier 3% mehr als das andere.   

      Das eine bringt natürlich den doppelten Zins als das andere, bezogen auf den Zins von 3% also 100% mehr.   

      Weil das die Leute verwirrt, spricht der Profi gern von Prozentpunkten. Es hat sich eingebürgert, unter Prozentpunkten immer Prozente des Ganzen zu verstehen (das Kapital oder alle Wähler oder ?). Im obigen Beispiel also: Ein Papier mit 6% Coupon bringt 3 Prozentpunkte mehr als eins mit 3% Coupon.   

      Damit mein Text nicht gar zu abschreckend wird, bin ich auf diese Feinheit nicht eingegangen. Ich habe geschrieben: 5% Zins ist 1% mehr als 4% Zins. Profis dürfen darüber schmunzeln, Laien werden verstanden haben, wie es gemeint ist. Oder? 


      "Was heißt nochmal 'Stückelung'?"   

      Man kann sich die meisten Anlagen als gedruckte Wertpapiere vorstellen, gewissermaßen Scheine mit einem aufgedruckten Wert. Die Aufteilung in "Scheine" eines gewissen Wertes nennt man Stückelung. Die meisten festverzinslichen Wertpapiere haben eine Stückelung (also Mindestanlage) von DM 1.000; manchmal auch DM 5.000. Die kleinste gängige Stückelung haben Bundesschatzbriefe, nämlich DM 100.   

      Früher waren Wertpapiere tatsächlich Papier, und es gab tatsächlich (meist schön) gedruckte Scheine, sogenannte effektive Stücke. Heute sind Wertpapiere oft nur noch eine Zahl im Computer.


      "Produkte? Was für Produkte?"   

      Ich habe ganz schön lange gebraucht zu begreifen, daß ein Mitarbeiter einer Bank ein Handelsmann ist, der seine Waren an den Mann bringt. Er verkauft natürlich keine Äpfel und Birnen, nichts, was man "anfassen" kann, sondern eine Reihe von verschiedenen Dienstleistungen, und jede hat einen bestimmten Preis. Wie überall gibt es günstige Angebote und weniger günstige - und wie überall kauft der am besten ein, der sich vorher informiert hat.   

      Der Begriff Produkte stammt nicht von mir, sondern er ist in der Branche übrigens gängig. 


      "Was versteht man unter 'Rente'?"

      :-) Nun - das Wort kennt wohl jeder.

      Nein - Spaß beiseite. Das Wort Rente bedeutet in diesem Text nicht etwa  "Altersruhegeld", sondern festverzinsliches Wertpapier.

      Dennoch haben beide Definitionen miteinander zu tun.

      Ein festverzinsliches Wertpapier bringt während seiner Laufzeit zu regelmäßigen Zeitpunkten ein Einkommen bestimmter Höhe, mit dem man also rechnen kann.

      Gewissermaßen eine private Rente.


    "Wie funktioniert eine Aktienanleihe ?" (Erläuterung für Fortgeschrittene)

    Eine Aktienanleihe ist ein synthetisches Produkt bestehend aus einer "normalen" Rente von meinethalben 3% Rendite im Jahr, verbunden mit einem "europäischen" Put-Optionsschein ("europäisch" bedeutet: kann nur am Fälligkeitstag ausgeübt werden). Die Optionsprämie kann nach bestimmten Kriterien berechnet werden, aus ihr werden rechnerisch die restlichen Hochprozente bestritten.

    Nun der Haken:
    Wenn ein Kunde einen Optionsschein kauft, riskiert er maximal den Preis desselben. Schlimmer als ein wertloses Verfallen kann es nicht kommen. Der Vertragspartner aber, der sogenannte "Stillhalter", trägt ein wertmäßig wesentlich höheres Risiko bis zum Totalverlust der zugrundeliegenden Aktie.

    Für eine Aktienanleihe bedeutet das, daß im Extremfall das Kapital verloren ist.

    Selbst, wenn man die Spekulation als solche eingehen würde (was für den von mir anvisierten Leserkreis mit Sicherheit nicht gilt), ist die Optionsprämie meistens zu gering berechnet. Die meisten Aktienanleihen müßten - fair gerechnet - noch mehr "Zins" bringen. Die Banken verdienen gut daran, die Leute greifen gierig zu - kein Wunder, daß so viele davon auf dem Markt sind.

    Zum Kauf von Optionsscheinen hat der Gesetzgeber umfangreiche Schutzmechanismen für den Kunden vorgesehen: Nicht jeder Kunde darf Optionsscheine kaufen, die notwendige "Börsentermingeschäftsfähigkeit" will erst errungen sein.

    In Fall von Aktienanleihen aber ist der Kunde sogar der Stillhalter, also der Vertragspartner, der das höhere Risiko trägt - der Kauf solcher "Anleihen" aber wird aktuell eher locker gehandhabt. Meines Erachtens hat ein Kunde, der mit einem solchen Papier Verlust macht, eine gute Chance, seine Verluste gerichtlich einzuklagen und von der Bank erstattet zu bekommen.

    (Wer übrigens diesen Typ Spekulation eingehen möchte, ist aktuell mit einem Discount-Zertifikat besser dran als mit einer Aktienanleihe. Das sprengt jetzt aber endgültig den Rahmen dieses Textes.)



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